Wie man sich bettet

Tatsache ist wohl, dass die Wahl und Ausstattung der nächtlichen Schlafstätte erstens sehr individuell ist, andererseits mit zunehmendem Alter immer wichtiger zu werden scheint. Aber um ehrlich zu sein, schlief ich schon immer am liebsten in meinem eigenen Bett und tat mich immer schwerer mit – vor allem schlechten – Hotelbetten.

Ein wichtiges Kriterium für guten Schlaf ist für mich häufig, alleine zu schlafen und eben in meinem eigenen Bett. Die Schweizer nennen das Bett häufig „Nest“ (Näscht) und das gefällt mir sehr gut. Ja, so ein Bett hat was von einem Nest, wo man sich hineinkuscheln mag, wenn es individuell passend ausgestattet ist. So kann man abtauchen in die Nacht, in das eigene Innere, in andere Welten – und erwacht im Idealfall völlig erfrischt und umgestimmt.

02 Bett

Mein Bett ist 1.40 m breit und seit letztem Jahr mit einer sehr festen Kaltschaummatratze unterlegt, weil die alte dicke Premium Matratze mit viel Naturkautschuk von IKEA so schnell mittig durchgelegen war, dass es fast schon eine Schande ist. Die teuerste Matratze, die IKEA in dem Bereich zu bieten hatte und dann das…, nach nur 3 Jahren. Hätten wir sie nicht mittig noch mit Decken unterpolstert, hätte ich es nicht noch ein 4. Jahr darauf ausgehalten, bis ich das Geld hatte, mir eine neue zuzulegen.

Die Verkäuferin der neuen Matratze wollte sie mir ausreden. Eins ihrer Argumente war, die Fachmeinung von Orthopäden… Nun, ich bestand auf meinem eigenen Gefühl und Iwan sagte ihr, dass das bei mir tatsächlich so wäre, dass ich gerne hart schlafe und mich dabei am wohlsten fühle, also gab sie nach. Dazu hab ich ein Schafwolle-Unterbett, das von unten wärmt und ein kuschligeres Gefühl gibt. Die Festigkeit mag ich noch immer, obwohl ich mir inzwischen vorstellen kann, mich auch in einem weicheren „guten“ Bett wohlfühlen zu können. Gut ist ein Bett für mich dann, wenn es ausreichend Unterstützung bietet. Die besten Hotelbetten hab ich diesbezüglich in Italien und Griechenland gefunden. Es waren „harte“ Betten, wo ich wenigstens keine einzelnen Federn oder durchgelegene Stellen spürte.

Da fällt mir ein, als ich vor Jahren auf dem zweiten Bildungsweg war und eine Klassenreise mit Zug und Rädern an die Nordsee mitmachte, landete ich in der ersten Nacht in einer Art Jugendherberge, in einem 4er oder 5er Zimmer. Irgendwie war ich zu langsam, jeder hatte im Nu ein Bett in Beschlag. Was übrig blieb, war das obere Bett des einzigen Stockbetts im Raum. Wenn man sich dort hinein legte, gab das drahtige Geflecht, das sich Lattenrost nannte, mittig soweit nach, dass man mehr drin saß als lag. Am nächsten Morgen erfuhr ich von der Freundin, die sich ein Einzelbett unterm Fenster ausgesucht hatte, dass sie genau das Gegenteil erlebt hatte. Das Bett war mittig höher und sie fühlte sich nachts irgendwie immer zu irgendeiner der Seiten hinrollen, bis sie es zuließ, Richtung Fenster zu rollen, weil das Bett dort an der Wand stand, so dass sie wenigstens nicht herausfallen konnte.

Was die Zudecke angeht… Die Schweizer sagen Duvet

Als Kind bekam ich eines Tages ein Federbett, das meine Mama aus alten gereinigten Federn anderer Betten selbst zusammen schneiderte, damit ich auch ein warmes Bett hätte. Morgens lag der Packen Federn am Fußende auf einem Haufen, während ich oben das leere Inlett festhielt, unter dem ich fror. Als meine Mama das merkte, sprach sie von eventueller Abhilfe, indem sie eine Art Karosteppung einnähen würde, damit die Federn nicht mehr so wegrutschen. Ich weiß heute nicht mehr, ob sie diese Idee umgesetzt hat oder doch nicht. Ich glaube nicht und es blieb bei dem Federberg, bis irgendwann genug Geld da war, um mir eine richtige eigene Zudecke zu kaufen.

Als ich heiratete, schwor mein Mann auf Billerbeck-Zudecken mit Schurwollfüllung. Sollte mir recht sein, ich fühlte mich sehr wohl darunter.

Später, nach Scheidung, Umzügen etc. und mangelndem Geld wurden moderne Zudecken mit Faserbällchen-Inhalt gekauft, die lange ihren Zweck erfüllten. Zuletzt hatte ich in München eine solche Duo-Decke gekauft, die aus einer dünneren und einer dickeren bestand und die man im Winter per Druckknöpfen zusammenfügen konnte, um eine warme Decke zu haben.

Im letzten halben Jahr, als das mit meinen Schulterproblemen und nächtlich kalten Schweißattacken begann, fand ich mich damit immer weniger zurecht. Unter der Decke gab es einen Hitzestau, der mich nachts häufig patschnass aufwachen ließ. Wenn ich mich abdeckte, fror ich sofort und meine Haut war eiskalt. Ich fand keine Wärme mehr und alles war nur noch unangenehm, abgesehen von den nächtlich am stärksten auftretenden Schmerzen. Da ich beim Zahnarzt in München Raten abzahlte, fehlte mir das Geld, mir eine neue passende Decke zuzulegen. Ich hatte mich informiert und mein Traum war eine Kamelhaardecke für über 200 CHF. Meine Kollegin hatte Mitgefühl und schenkte mir eine in ihrem Haushalt übrig gebliebene Decke aus sehr hochwertigem Material: 70% Seide, 30% Wolle, die niemand mehr brauchte, auch weil sie ihnen „zu schwer“ war. Ich war sehr froh, legte noch eine dünne atmungsaktive Couchdecke drüber und fand nun besser Wärme und die Hitzestaus hörten völlig auf, obwohl ein höherer Wollanteil ideal gewesen wäre. Als ein unerwartetes Geschenk eintraf, wurde mein Traum von der Kamelhaardecke doch noch wahr und ich kann euch nur sagen: Herrlich! Sowas von leicht, so schön wärmend, dabei trotzdem atmungsaktiv. Nur über das sich etwas steif anfühlende Inlett war ich etwas erstaunt, aber daran hab ich mich gewöhnt. Vielleicht braucht es zum Einpacken der Kamelhaare ein relativ dichtes Material, damit sie drin bleiben, ich weiß es nicht. Die Decke geb ich jedenfalls so schnell nicht mehr her.

Dann das Kissen… Ein ganz eigenes Thema und wahrscheinlich gibts so viele Meinungen dazu wie Menschen.

Schon sehr jung fing ich an, die in D üblichen 80×80 cm Kissen weg zu legen, weil ich damit Nackenprobleme hatte. Am besten schlief ich völlig eben, jedenfalls wenn ich auf dem Rücken lag. Mit kleineren Couchkissen half ich mir mit der Zeit, um den Kopf zu unterstützen, wenn ich auf der Seite liegen wollte. Ein Kissen mit Dinkelspelz als Inhalt erwies sich als völlig ungeeignet. Der Inhalt knisterte ständig beim drauf liegen, ich kam nicht zur Ruhe damit, angenehm fühlte es sich nicht wirklich an. Für mich eher ein Werbegag in Sachen „Natur“.

Hier in der Schweiz sind ganz andere Kissengrößen (wie auch Duvetgrößen) üblich. Im Moment hab ich ein 70×70 cm großes (Haupt-) Kissen mit Wollinhalt, dessen Füllung sich durch den entsprechenden Kissenbezug leicht auf 70×45 cm bringen lässt. Auf diese Weise hat es die richtige Höhe, um mich beim seitlichen Schlafen gut abzustützen und wärmt gleichzeitig. Auf dem Rücken liege ich nach wie vor am liebsten ohne Kissen. Zur Zeit verwende ich neben dem großen aber auch noch 2 Couchkissen, um mich mit der schmerzenden Schulter jeweils so abzustützen, dass möglichst nichts weh tut.

Wichtig ist mir übrigens auch noch, dass man unter dem Bett staubsaugen kann. Ich mag es nicht, wenn der Kasten unten zu ist und sich mit der Zeit soviele Flusen dort sammeln. Ich mag das Gefühl von luftig statt muffig 🙂

Mich würde nun interessieren:
Wie bettet ihr euch am liebsten?
Was ist euch beim Schlafen wichtig?
Womit fühlt ihr euch am wohlsten?

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9 Gedanken zu „Wie man sich bettet

  1. Mir ist wichtig, dass ich aus meinen Bett den Himmel sehe, das Sonnenlicht oder die Sterne.
    So steht mein Bett direkt unter dem Dachfenster . Wird mir das zu hell, setze ich eine Schlafbrille auf.
    Ein Duft, der sanft schwingt, ist wichtig.
    Es gibt sehr gute englische Wäschesprays, die dem Bett einen einhüllenden Duft verleihen.
    Ein Berg von Kissen für alle Schlafvarianten ist bei mir notwendig und ich schlafe allein. Das brauche ich, um zur Stille zu finden.
    Liebe Grüße

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  2. Für mich sind Lattenrost und Matratze das Wichtigste an meinem Bett. Sie müssen an der Hüfte nachgeben, ohne zu tief abzusinken, damit ich keine Rückenschmerzen bekomme. Außerdem sollte der Rost zumindest am Kopf höhenverstellbar sein, da ich oben gerne leicht erhöht liege. Ich war dafür in einem Bettenfachgeschäft, habe mich beraten lassen und die richtigen Teile für meine Gewichtsklasse ausgewählt, die ich dann noch probegelegen bin und mit anderen Matratzen verglichen habe. Nun ist es ein absolut göttliches Gefühl, müde ins Bett zu sinken und zu spüren, wie es sich meinem Rücken anpasst!
    Ich hab eine Wildseide-Bettdecke, die ich das ganze Jahr benutze. Sie ist sehr leicht und für mich warm genug. Sollte es im Winter mal richtig kalt werden, leg ich noch eine Wolldecke darüber.
    Ich verwende ein „halbes“ Kopfkissen – bei den 80 x 80 Kissen bekomme ich Nackenschmerzen und schwitze am Rücken.
    Ich liebe mein „Nescht“ (bei uns sagt man das auch!).
    LG, Helga

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    • Das klingt nach ganz individuell angepasstem Bett, genau für dich. So soll es sein, wenns der Geldbeutel her gibt.

      Dann ist dein Kopfkissen in einem ähnlichen Format wie meines. Geht mich auch so, dass ich mit einem 80×80 Kopfkissen Nackenschmerzen bekomm.

      Ihr sagt auch „Nescht“, schön 😉
      Danke, dass du uns deine Nest-Details preis gibst ⭐
      Ich find das spannend.

      LG, Marion

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