Kontrolle contra Vertrauen

Entspanne dich.
Lass das Steuer los.
Trudle durch die Welt.
Sie ist so schön.

                              Kurt Tucholsky

Auf einen wunderschönen Sonntag Morgen 🙂

Die Fotos, die ich für diesen Beitrag heute Morgen gemacht hab, waren wohl nur zu meiner Freude bestimmt. Noch bevor ich sie von der Speicherkarte auf den Laptop geladen hatte, hab ich diese wieder entfernt, dabei Papierkorb geleert – Fotos futsch. Sie zeigten den aufsteigenden Morgendunst, die hochkommende Sonne, wie sie sich vorwärts arbeitet, die Bäume anfangen schräge Schatten zu werfen und zwei Kühe, wie sie die letzten Äpfel unter diesem Baum vernaschen…

03b_verkl_Apfelbaum1_23.10.2014

04b_verkl_Apfelbaum2_23.10.2014

Das Eingangs-Gedicht von Kurt Tucholsky ist grad sowas wie mein Leitspruch. Denn…

Es gibt in mir den Teil, der der Meinung ist:
Solange ich die Kontrolle habe, ist alles gut.
Und dann gibt es den anderen Teil in mir, der weiß:
Wenn ich loslasse, kommt alles zu meinem Besten.

So habe ich mir diese Woche selbst zugeschaut, was ich angesichts dieser konträren Kräfte alles veranstaltet hab und musste teilweise über mich selbst lachen. Und ich freu mich drauf, was alles möglich wird, wenn diese beiden Kräfte mal am gleichen Strang ziehen, anstatt einander abzuwechseln und mal nach hier, mal nach da zu ziehen.

Gestern hab ich mir selbst ein Beispiel für die Richtigkeit des 2. Satzes geliefert. Ich war mit dem E-Bike im nächsten Ort und hab noch was eingekauft (trotz 1. Nov. waren hier die Läden offen, weil protestantisches Gebiet, tja die Schweizer und ihre Feiertagsregelung, das ist nicht nur von Kanton zu Kanton verschieden, sondern teils von Tal zu Tal <grins und kopfschüttel>). Auf dem Rückweg nehme ich normalerweise für ein kleines Stück enger Dorfstraße den Gehweg; diesmal waren dort Fußgänger und ich merkte, ich muss raus auf die Straße, schaue in beide Richtungen ob Autos kommen, ob ich überqueren kann. Irgendetwas hat mich dazu gebracht, zu plötzlich zu bremsen und ich flog. Wie das oft so ist, registrierte ich wie in Zeitlupe: Ich falle, aber nicht allzu fest. Dafür auf die linke Seite und wehe Schulter, aua. Dann liege ich da, neben mir das Rad. Okay, langsam aufstehen, sachte…

Nachdem ich es geschafft hatte, mit dem rechten Arm mein schweres Rad hoch zu ziehen und noch ganz verdattert da stand, hielt zuerst ein Autofahrer und sprach aus dem Fenster, ob ich in Ordnung sei, ob ich dessen wirklich sicher sei, ob er weiterfahren kann? Ja. Dann kam ein anderer Mann zu Fuß und schaute, ob ich okay bin. Er merkte an, dass ich ohne Helm unterwegs bin und dass Schlimmeres hätte passieren können. Auch er hätte mir jegliche Hilfe geleistet, die ich gebraucht hätte, war unaufdringlich besorgt und fragte, was eigentlich passiert sei.

Mein Fahrrad mit dem rechten Arm schiebend ging ich zu Fuß das letzte Stück nach Hause, es war nicht mehr weit. Ich musste mich erst wieder sortieren. Daheim gleich eine Schmerztablette genommen und die linke Schulter mit schmerzstillender Salbe eingeschmiert. Die ganz neue Cordhose ausgezogen, weil das linke Knie aufgeschürft war und von innen Blutflecken hinterlassen hatte. Leider ist der Stoff ein wenig beschädigt. Ich weichte sie in kaltem Wasser ein, so dass das Blut wieder ganz raus ging.

Hätte ich jetzt Veranlassung gehabt, die Schulter als Notfall röntgen zu lassen, wäre das über die Unfallversicherung abgedeckt gewesen (ohne dass mein hoher Selbstbehalt bei der Krankenversicherung relevant gewesen wäre), die hier unabhängig von der Krankenversicherung ist und über den Arbeitgeber läuft, so man einen hat. Ich hab mich ja in den letzten 4 Monaten manchmal etwas gequält mit der Vorstellung: Was, wenn es doch was Schlimmeres ist mit der Schulter? Ich kann (im Moment) die Kosten für eine genauere Untersuchung nicht aufbringen. Das hat teils ziemlich Angst gemacht.

Als mir das gestern mit der Unfallversicherung klar wurde, merkte ich: Ich hatte die Kontrolle verloren und war trotzdem beschützt.

Nachtrag: Die Fotos sind wieder aufgetaucht, sie folgen hier.

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3 Gedanken zu „Kontrolle contra Vertrauen

  1. Wie das Leben so spielt….

    Wir hoffen es ist soweit alles okay mit Dir und die Schulter und das Knie haben nicht wirklich was Schlimmes abbekommen!!!!

    LG und pass auf Dich auf
    AnDi

    Gefällt mir

    • Blaue Flecke sind zu verschmerzen, das Knie ist mit einem großen Pflaster ausreichend versorgt. Die Schulter scheint nach Erholung vom ersten Schreck sogar fast beweglicher als vorher, auch wenn sie immer noch bewegungseingeschränkt und schmerzhaft ist. Aber ich bin da auf einer Spur mit Selbstbehandlung der Triggerpunkte und mir scheint, da gehts erst mal lang… Ich werde berichten…

      Danke für den Stopp und das Mitgefühl.

      LG und einen schönen Sonntag Abend
      Marion

      Gefällt 1 Person

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