Aus der Schildermacherei

Heute mal wieder ein Beispiel aus meinem Job.

Ein Kunde wünschte eine Serie an dünnen, aufklebbaren Plättchen für schwarze DIN A4 Mappen, die möglichst edel und dekorativ aussehen sollten. Ursprünglich war an Metall (evtl. Messing) gedacht. Man entschied sich letztlich für Kunststoff in gold/schwarz in 0.5 mm Dicke und zwar das Material, das in der Optik gebürstetes Metall nachahmt und daher sehr dekorativ wirkt.

Das Wappen mit dem Schriftzug wurden uns wieder auf einem Stick als elektronische Datei angeliefert und dann gings ans Tüfteln, mit welcher Fräserdicke und -tiefe die schönsten Ergebnisse erzielt werden können. Auch das Zuschneiden des Materials und der Umgang damit erforderten Fingerspitzengefühl, damit die Maße möglichst genau werden, die Ränder möglichst glatt und keinerlei Kratzer oder Beschädigungen auf das dünne Material kommen.

Den ersten Satz machte der Chef an einem Tag, wo ich frei hatte, weil der Auftrag eilte. Er sollte für einen speziellen Anlass innerhalb eines Tages fertig sein.

Das Ergebnis gefiel anderen Mitarbeitern des Kunden so gut, dass weitere Serien nachbestellt wurden, die ich dann machte. Zunächst eine kleine Serie, die wieder eilte; dann eine weitere Serie mit mehr Zeit.

Leider kann ich wieder nicht ein gesamtes Schild zeigen, um nicht unnötig Interna nach außen zu tragen, aber Teile davon, damit ihr einen kleinen Eindruck bekommt. Die Schildgröße insgesamt ist etwa 120 x 20 mm. Bei der Vergrößerung sind die Spuren des Fräsers zu sehen, d.h. die einzelnen Rillen, wie oft entlang gefahren werden musste, um das goldene Material abzutragen und das Schwarze darunter hervor zu holen.

175 Aus der Schildermacherei

Mit bloßem Auge – ohne Vergrößerung – sind die Flächen als einheitlich schwarz wahrnehmbar und sehen wirklich sehr dekorativ aus. Auf den schwarzen Mappen aufgeklebt kann ich mir das sehr hübsch vorstellen.

176

Da wir einen sehr feinen Fräser wählten, um die Konturen möglichst exakt und fein „gezeichnet“ darzustellen, dauerte die Gravur verhältnismäßig lange, dafür konnte ich wegen der Weichheit von Kunststoff auf höchster Geschwindigkeit fahren. Das klingt dann immer ziemlich krass, wenn die Maschine so herumrattert. Erstaunlich ist, dass sie bei der hohen Geschwindigkeit dennoch auf Bruchteile von Millimetern Präzisionsarbeit leistet; was man wirklich nicht unbedingt vermutet, wenn man mitbekommt, mit welcher Lautstärke und maschinellem Aufwand die Maschine herumbrettert, so dass alle in der Werkstatt schauen, was ich da hinten an meiner Maschine eigentlich gerade mache, das zu so einem Getöse führt 🙂

Auf jeden Fall war das wieder mal eine Arbeit, die wegen der dekorativen Ergebnisse Freude machte. Aber es gibt auch seit Monaten kaum mehr Aufträge, an denen ich keine Freude hätte. Das meiste macht mir wirklich Spaß, auch wenn es die täglich anfallenden Schildersätze für Wohnungen sind. Wenn sie am Schluss sauber graviert und gefärbt in ansprechender Gestaltung in der Schachtel liegen und auf den Versand warten, lacht mein Herz.

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Siehe auch die Beiträge Schildermacher vom 1. Juni 2014 und Aus der Schildermacherei vom 26. Okt. 2014

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12 Gedanken zu „Aus der Schildermacherei

    • Hallo Pit,

      danke, das freut mich. So kannst du dir sicher vorstellen, welche Freude der Umgang mit dieser Materie mir immer wieder aufs Neue bereitet.

      Was mir auch total gut tut ist, dass ich – ursprünglich aus einem Bürojob mit entsprechender langjähriger Berufserfahrung kommend – mich immer besser in die Graviererei einarbeite und Erfahrung sammle, so dass ich mich immer sicherer darin fühle und auch schon mal dem Chef widerspreche und das hier auch kann. Natürlich in einem respektvollen Ton.

      Ich hätte mir nie träumen lassen, mal in so einem Beruf zu landen. Und ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich an praktischer Arbeit, die in dem Fall aber durchaus von Köpfchen profitiert, soviel Spaß haben würde.

      Liebe Grüße, Marion

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      • Finde ich ganz prima, wie es Dir da gefällt. Man spürt Deine Begeistung immer, wenn Du von deinem Job schreibst – jedenfalls in der letzten Zeit. Denn wenn ich mich recht erinnere, hattest Du ja ein wenig Startschwierigkeiten, oder?
        Habe eine schöne Woche,
        pit

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        • Hallo Pit,

          du erinnerst dich richtig. Ich hatte Startschwierigkeiten, das betraf den zwischenmenschlichen Umgang und das war teils so heftig, dass ich überlegte, wieder aufzuhören. War eine harte Nuss anfangs. Gott sei Dank habe ich Wege gefunden damit umzugehen, so dass das jetzt kein Thema mehr ist und die Freude an der Tätigkeit Raum greifen kann.

          Dir auch eine gute neue Woche…

          Marion

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  1. Liebe Marion,

    der Bericht ist mal wieder sehr schön verfasst! Aber die Stelle, welche uns am Besten gefällt kommt recht weit unten, denn da steht, dass Dir die Arbeit Spaß macht! Und das ist ein Geschenk, wenn einem die Arbeit Freude bereitet!

    LG
    AnDi

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    • Liebe AnDi,

      da habt ihr Recht! Das ist ein Geschenk und immer mal wieder bin ich innerlich überrascht, dass mir das hier mit diesem Job widerfahren ist und anhält 🙂
      Schon verrückt, wenn man mit 53 in einem Job angelernt wird, der sich als wesentlich befriedigender entpuppt als alles vorher.

      LG, Marion

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    • Ja, sehr. Es ist gut, wenn ich mir das immer mal wieder in Erinnerung rufe ⭐
      Es hilft mir, die für mich weniger angenehmen Begleitumstände leichter mit in Kauf zu nehmen, z.B. die ellenlangen Tage, an denen ich arbeite.

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