Sicherheit contra Lebendigkeit in Beziehungen

Gerade ihre Unbeständigkeit macht die Welt so schön.

Yoshida Kenkô

209 Abendhimmel 01.07.2014, 21.24 Uhr

Heute war ein stiller Tag mit viel Ruhen und viel Nachdenken. Es geht da weiter, wo Kontrolle contra Vertrauen aufgehört hat.

Alles, was ich heute hätte posten können, einfach der Unterhaltung oder des Interesses wegen, ging nicht. Ich musste für mich den Punkt finden, wo ich innerlich gerade stehe.

Es geht um den Wunsch nach Sicherheit in Liebesdingen. Dass dieser Wunsch bei mir so ausgeprägt ist, hat bestimmte Erfahrungen als Hintergrund, wie meistens halt. Diese Erfahrungen (aus einem anderen Leben) zu kennen, macht es mir leichter, mich selbst zu verstehen und geduldiger mit mir zu sein; mir zu sagen, dass es normal ist, diesen Wunsch nach Sicherheit zu haben.

Dass mir dieser Wunsch scheinbar vom Leben bisher nicht erfüllt wurde, kann man so oder so sehen.

Ich bin überzeugt: Hätte ich den zentralen Wunsch gehabt, in diesem Leben Sicherheit in der Liebe zu erfahren und dadurch erst mal eine sonst nicht zu erreichende innere Stabilität zu finden, dann würde ich das jetzt leben. Mit welchem Partner auch immer das so (auf Seelenebene) abgesprochen worden wäre.

Da es aber gleichzeitig andere, konträre Wünsche in mir gibt, hatte ich etwas anderes vor.

Wenn ich Paare sehe, die deswegen zusammen halten, weil sie nicht anders damit umgehen könnten oder wollten, z.B. aufgrund zu viel Angst vor dem Alleinsein, ich aber gleichzeitig die Grenzen so einer Beziehung sehe, dann spüre ich in mir, dass ich so etwas jetzt nicht würde leben wollen und können. Weswegen ich auch selbst aus Beziehungen ausgebrochen bin, in denen es „sicher“ gewesen wäre.

Aus dem Buch „Aussöhnung mit dem inneren Kind“ (ich schrieb u.a. hier etwas darüber) nahm ich den Gedanken mit, dass wir die Wahl haben, ob wir unser verletztes Inneres Kind vor allem schützen wollen, oder ob wir uns dazu entschließen zu lernen. Das eine bedeutet, dass unsere Priorität darauf liegt, Situationen und Erfahrungen aus dem Weg zu gehen, in denen wir gefühlt noch einmal an der gleichen Stelle verletzt werden. Das andere bedeutet, dass wir die Verantwortung für das Heilen der Verletzungen unseres Inneren Kindes aktiv übernehmen und für uns sorgen, so dass wir offen für neue Erfahrungen werden.

Wenn ich Gefühle und emotional beglückende Momente festhalten möchte, fangen sie an schal zu werden, wie eine zu alte Konserve. Ich hab irgendwann verstanden, dass es nicht sinnvoll ist, mich auf diese Weise vor dem Leben und seinen möglichen Verletzungen schützen zu wollen. Im Gegenteil… Das Leben hat mir gezeigt, dass ich Herzensdinge immer dann verliere, wenn ich sie zu fest halten möchte. Es hat mir geholfen die Bereitschaft zu entwickeln, den Moment mit dem zuzulassen, was er gerade beinhaltet, gleichzeitig aber auch zuzulassen, dass er vergeht, so wie ein Ton verklingt. Nur so ist es möglich, dass wieder ein neues Gefühl entstehen kann, aus dem jeweiligen Moment und der Situation heraus.

So gelebt erscheint das Leben unbeständig und das macht mir manchmal noch ganz schön Angst. Gleichzeitig bin ich nicht mehr bereit, auf die Taufrische zu verzichten, die mir jeder neue Moment schenken kann. Ich hab Konserven satt und warm Gehaltenes oder wieder Aufgewärmtes in Herzensdingen befriedigt mich nicht mehr und kann ich nicht mehr leben.

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23 Gedanken zu „Sicherheit contra Lebendigkeit in Beziehungen

      • Dem anderen und vor allem sich selbst.
        Den idealen Partner gibt es nicht, trotzdem ist Sicherheit möglich. Freiheit dabei zu eigenen Interessen, die nicht immer geteilt werden müssen, bringt Lebendigkeit.

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        • Wie könnte man sich ständig selbst beweisen wollen, dass man sich liebt? Meinst du mit übertriebenem um sich selbst Kreisen?

          Zur Frage, ob es den idealen Partner gibt, könnte man fragen, wie man „ideal“ definiert. Je nach Definition würde ich sagen: Doch, es gibt ihn. Was nicht heißt, dass ein Partner perfekt sein muss, darum gehts überhaupt nicht.

          Genauso mit der Sicherheit. Was heißt schon Sicherheit? Manchmal weiß keiner vorher, wie der andere sich weiter entwickeln wird. Es gibt Beziehungen, da macht die unterschiedliche Entwicklung der Partner an einem bestimmten Punkt keinen Sinn mehr, sie fortzuführen. Weil beide sich inzwischen zu fest verbiegen müssten, um sie weiter zu leben. Sicherheit ist eine Illusion. Aber ich glaube, ich weiß, was du meinst (eine innere Übereinkunft, zueinander zu stehen, die für beide bindend ist und so stimmt) und in diesem Sinne gebe ich dir Recht.

          Deinem letzten Satz stimme ich sowieso uneingeschränkt zu. Wenn die Freiheit zu eigenen Interessen in einer Partnerschaft nicht genutzt wird, beginnt sie zu „dodeln“ (sich wie tot anfühlen).

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  1. Ich denke Sicherheit und Stabilität kann man nur in sich selbst finden und die Beziehung zu einem Partner ist nur dann gut, wenn man auch weiß, dass man allein stehen kann, weil daraus die Ruhe erwächst und der Respekt für den Partner.

    Beständigkeit ist ja eigentlich ohnehin eine Illusion. Die ganze Welt und wir verändern sich ständig ….

    Mir gefallen deine Fotos auch sehr gut, diese Wassertropfen !

    Liebe Grüße

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  2. Nur wenn Du Dir Deiner selbst sicher bist, wirst Du Sicherheit in anderen Bereichen erfahren können.

    Wir wünschen Dir liebe Marion, dass Du Deine Sicherheit in Dir findest, dann wird sich auch der Rest finden! 🙂

    LG und eine gute Nacht
    AnDi

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    • Liebe AnDi,

      grundsätzlich ist das eine richtige Aussage. In dem Fall trifft sie meine Situation nicht ganz. Um das zu verdeutlichen, müsste ich aber mehr erklären.

      Schade, dass ihr (An oder Di?) nur über mich sprecht, anstatt dich einzubringen, deine Erfahrungen, deine Wahrnehmungen. Das ist kein Muss, selbstverständlich. Aber ich spreche offen über mich und meine Erfahrungen. Nicht, damit andere nun anfangen mir Tipps zu geben, während sie sich selbst zu 100% bedeckt halten. Das fühlt sich leider so an, als versteckst du (wer?) dich hinter dem Wir und den Tipps an mich, lenkst von dir selbst ab. Und das macht mir keine Lust zum weiteren Austausch darüber. DAFÜR stelle ich mich nicht vorne hin mit meiner Offenheit.

      Schönen Sonntag euch…

      LG, Marion

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      • Liebe AnDi,

        ich hoffe, ich bin euch heute Morgen mit meiner Antwort nicht zu fest „an den Karren gefahren“. Es war nicht die Absicht persönlich anzugreifen oder zu verletzen. Denn auf eine Weise seid ihr mir auch ans Herz gewachsen während der bisherigen Blogger-Austausch-Zeit.

        Es ist eure Entscheidung, wie ihr im Internet auftretet.

        Wahrscheinlich habt ihr gemerkt, dass ich mich selbst verletzt fühlte. Und das war eigentlich gar nicht in erster Linie deswegen, was ich im vorherigen Kommentar nannte (das war eher ein „zurückschlagen“). Verletzt gefühlt hab ich mich von dem Ton, den ich in eurem Kommentar empfand und das mag sehr subjektiv sein. Ich bin sicher, es war so nicht eure Absicht.

        Der Ton wirkte auf mich herablassend, wie ein Erwachsener, der zu einem kleinen Kind sagt: Du arme kleine Unsichere, du wirst das schon noch lernen… Ich fühlte mich klein gemacht und bloßgestellt, d.h. mein Inneres Kind fühlte sich so und das ist ein alter Schmerzpunkt, auf den ich reagiert habe. So hat man mich als Kind behandelt, jovial von oben herab. Ich wurde nicht ernst genommen, meine Bedürfnisse sowieso nicht.

        Sollte ich euch also verletzt haben, dann bitte ich um Entschuldigung, wer von euch beiden auch immer das geschrieben hat.

        Aber bitte, geht jetzt nicht erneut auf meine Verletzung ein. Es ist mir genug, dass das jetzt einmal hier so gesagt wurde.

        Liebe Grüße
        Marion

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  3. Hallo Marion,

    sorry wenn ich mich bzw. andere wiederhole, ich gebe zu nach der hälfte der Kommentare nicht mehr weitergelesen zu haben. … Jetzt hatte ich einen Anruf und haben den Fäden verloren … Sicherheit, genau. Für mich ist das relativ einfach. Ich habe nur Sicherheit in der Beziehung, wenn ich mich nicht davon abhängig mache. Die Sorge um einen Verlust, treibt einen einfach zu oft zu falschen Handlungen.

    Ich weiß, dass ich genauso gut ohne meinen Mann leben könnte. Wäre es einfach oder nicht schmerzhaft? Keines Wegs. Aber es würde gehen, mein Leben würde weiter gehen. Vielleicht bleiben wir für immer zusammen, vielleicht aber auch nicht. Das kann keiner wissen, daher konzentriere ich mich lieber auf das hier und jetzt, weil es vielleicht bald vorbei sein kann oder auch nicht.

    Ich habe die Sicherheit, dass ich auch mit mir ganz alleine klar kommen würde. Ähm, solange keinen Spinnen an der Wand sitzen. Also komme ich auch wunderbar mit der Sicherheit in der Beziehung klar. Egal wie es ausgeht. Ich bin sicher. Eigentlich ganz einfach.

    Gruß Julusch

    P.S. Wieder mal aus einem „Montagshilton“ an einem Montag.

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    • Hallo Julusch,

      ich verstehe was du sagst und danke für deinen Kommentar.

      Die Krux an der Sache ist aus meiner Sicht… Wenn nun jemand z.B. zu dir sagt: Mach dich nicht abhängig von Spinnen, dann kannst du das womöglich nur bedingt umsetzen, weil die Angst nur bedingt kontrollierbar ist. Woher die Angst jeweils kommt und wie sie überwunden werden bzw. neutralisiert werden kann, ist ein weites Thema, das sprengt den Rahmen an dieser Stelle.

      Aber ich glaube Wege gefunden zu haben, wie es für mich funktioniert. Nur – das braucht Zeit, Aufmerksamkeit, Bewusstheit.

      Ich weiß auch, dass ich alleine leben kann und tue es. Es ist aber für meine Strickart (mit all den Prägungen, die ich in dieses Leben mitbrachte) zunächst eine Herausforderung. Eine gesteigerte Herausforderung zu der bereits bewältigten, alleine mit zwei Heranwachsenden zu leben. Auch insofern, als ich inzwischen im Ausland lebe und das wiederum für mich relativ untypisch ist. Wäre es nicht der Liebe wegen gewesen, wäre ich so einen Schritt niemals gegangen.

      Ich sagte oben schon zu Arabella, dass ich denke, jede Beziehung hat ihre eigene Dynamik und daher ist die eine mit der anderen in der Regel überhaupt nicht vergleichbar. Und wahrscheinlich spricht jeder über das Thema aus der eigenen Perspektive heraus, aus seiner Erfahrung heraus, auch aus seiner individuellen Persönlichkeitsstruktur heraus, so dass das, was für den einen gilt, nicht automatisch für einen anderen auch gelten kann.

      Das ist jedenfalls einer der Schlüsse, der für mich nach diesem Beitrag samt seinen Kommentaren stehen bleibt.

      Ich hoffe, du hast trotz Montagshilton weitgehend entspannt genächtigt.

      Gruß
      Marion

      Gefällt 1 Person

      • Hallo Marion,

        leider war die Nacht nicht so berauschend, aber es gibt schlimmeres.

        Wenn es für alles eine einfache Lösung gebe, die man jedem an die Hand geben könnte, dann wären wir alle Handpuppen.

        Das Gute an solchen Beiträgen und den Unterhaltungen danach, sind für mich Denkanstöße, die ich auch für mich mitnehmen kann. Und vielleicht geht es anderen ähnlich.

        Ich finde den Punkt aber extrem wichtig. George Benson hat schon es schon besungen „The greatest love of all“

        Wenn, und damit meine ich wirklich JEDEN, der es schafft das zu fühlen und zu leben, der hat es wesentlich einfacher im Leben. Aber wie man das erreichen kann, wie man das lernen kann und ob man es für sich annehmen kann, das steht auf einem ganz anderen Blatt und das muss jeder für sich selber herausfinden.

        Gruß Julusch

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