Die Schulter

Über meine Schulter wollte ich ja eigentlich erst schreiben, wenn die Bewegungseinschränkung abgeklungen ist. Aber heute war ich beim Arzt und das war definitiv jetzt die richtige Entscheidung. Aber der Reihe nach…

Es begann Ende Juni letzten Jahres, morgens beim Aufwachen: Aua, da zwickt was in der Schulter. Ich war auf der Seite gelegen und habe eine sehr feste Matratze. Also hab ich mich auf den Rücken gedreht und wurde nach dem Aufstehen wieder aufmerksam, als ich mir die Zähne putzte und beim Nachspülen mit dem linken Arm das Waschbecken anfasste und wieder merkte: Aua, da zwickt was in der Schulter, diese Bewegung tut grad weh.

Was ich im Nachhinein als zusätzlichen Auslöser der Beschwerden betrachte ist… Es war gerade die erste Wärmeperiode des Jahres gewesen. Bei uns in der Werkstatt mit voller Fensterfront gen Süden und keiner Möglichkeit des Öffnens der Fenster (die Klimaanlage schafft das nicht oder ist unpassend eingestellt, wie auch immer) hatten wir 29 Grad und drum wurden Ventilatoren angeschafft. Ah…, das war erwünschte und angenehme Abkühlung. Jedoch weiß ich, dass ich auf Zug und Klimaanlagen ziemlich empfindlich bin. Das tat mir – im Nachhinein betrachtet – schon gar nicht gut.

Dazu kam, dass ich nachts Schweißausbrüche hatte, die auf einen hormonellen Shift hindeuteten, jedoch war die linke Schulter mit Oberarm jeweils eiskalt und fing immer mehr an zu schmerzen. Ich stand oft auf und machte mir eine Wärmflasche, um damit die schmerzenden Stellen zu erwärmen, was manchmal vorübergehend ein klein wenig half, aber nicht so wirklich durchschlagend wärmenden Erfolg brachte.

Die Sache verschlechterte sich immer weiter, Bewegungseinschränkung kam dazu, bis am Höhepunkt die Schulter ziemlich eingesteift war und jede Bewegung schmerzte. Ich wusste nicht mehr wie schlafen, lag oft vor Schmerzen wach und versuchte mit Kissen den Arm und die Schulter so zu drapieren, dass ich ohne Schmerzen liegen kann; oft erfolglos.

Normalerweise geht man zum Arzt, wenn man sowas hat. Ich hatte es an anderer Stelle schon erwähnt… Ich war mit einem Selbstbehalt von 2500 Franken/Jahr krankenversichert (in der Schweiz ist das System anders), hatte durch die Trennung von meinem Mann und Umzug kaum Reserven und da Zahnarztkosten hier grundsätzlich privat bezahlt werden müssen und ich im Lauf des Jahres mehrere Zahnarztbesuche hatte, u.a. zwei tote Backenzähne mit Eiterherd gezogen wurden, so dass die Kosten von Zahnersatz dazu kamen, war ich nicht nur am Limit mit meinen finanziellen Möglichkeiten, sondern bereits drüber. Einfach mal zum Arzt gehen und die Schulter abklären lassen war also nicht.

Als ich von zwei verschiedenen Stellen Geld geschenkt bekam, leistete ich mir eine neue Zudecke, die mich wirklich wärmen sollte, denn ich fror in dieser Zeit sehr viel und wusste oft nicht mehr, wie ich warm werden sollte. Außerdem ging ich zum Arzt, auf eigene Kosten und bat um Abklärung des Entzündungsparameters im Blut. Er überredete mich, weil ich auch so erschöpft war, auch noch Eisen, Zucker und Schilddrüse mit abzuklären. Alles andere wollten wir aufs neue Jahr verschieben, wenn ich es dann noch bräuchte, denn für 2015 hab ich mich mit dem geringstmöglichen Selbstbehalt 300 Franken (plus 10% der anfallenden Kosten, das scheint hier normal) versichert. Alle Werte waren in Ordnung. Ich bezahlte etwa 180 Franken dafür. Was die Schulter angeht, meinte er nur: Verdacht auf schwere Arthrose. Na das war genau das, was ich nicht hören wollte.

Geändert hatte sich nichts. Ich hatte Schmerzen, lernte T-Shirts und Pullis wie Männer auszuziehen (von hinten über den Kopf ziehen) und anders aus der Badewanne aufzustehen, weil es mit der schmerzenden Schulter nicht wie üblich ging. Irgendwann konnte ich den linken Arm nicht mal mehr ausreichend anheben, um Deo anzubringen und ich konnte mich mit dem linken Arm nur unter Schmerzen und unzureichend unter dem rechten Arm waschen. Man ist ganz schön hilflos, wenn die Schulter bei jeder Bewegung schmerzt und viele Bewegungen nicht mehr mitmacht.

Ich war wöchentlich in der Sauna und im Warmwasserbecken an Sprudel-Massagedüsen, aber so richtig besser wurde es erst mal nicht.

Dann kam ich durch eine Bloggerin auf die Möglichkeit der Triggerpunktmassage, die sich damit gut hatte helfen können, nachdem bei ihr die Schulterschmerzen irgendwann nur noch von den verhärteten Muskeln und dem entsprechenden Zug auf Bänder und Nerven kam, sie einige Orthopäden und Physiotherapeuten verschlissen hatte und ihr nichts geholfen hatte. Das half ihr.

Also kaufte ich mir ein entsprechendes Buch und begann erstens mit dem Tennisball (in einen Kniestrumpf gesteckt) an der Wand entlang zu schrubben und damit die ganzen Muskelknoten auf und um das Schulterblatt aufzulösen, so nach und nach, so dass es wieder beweglicher wurde. Zusätzlich kaufte ich in den USA das Thera Cane Gerät, mit dem man über Hebelwirkung auf bestimmte Punkte ausreichend Druck ausüben kann, was man sonst wegen der Schmerzen allein nicht schafft.

Es wurde viel besser. Irgendwann hatten auch die nächtlichen Schweißattacken und die eiskalten Stellen nachgelassen. Was blieb, war ein schmerzender Bereich an der Vorderseite der Schulter und der hielt sich jetzt relativ hartnäckig. Die Schmerzen gingen zurück, die Beweglichkeit kam im Zeitlupentempo zurück. Ich dachte mir, es hat lange gedauert, bis die Beweglichkeit soweit eingeschränkt war, also ist es normal, dass es jetzt auch lange dauert, bis das alles wieder kommt.

Ich hab schon viel Schwieriges erlebt, aber das brachte mich wirklich an meine Grenzen. Denn Schmerzen machen manchmal mehr, manchmal weniger Angst und die lieben Mitmenschen sind oft nicht wirklich hilfreich. Fast alle meinten, es käme halt drauf an, woher das Ganze kommt, man müsste es halt abklären lassen. Jemand sagte anfangs: Na, du zelebrierst deinen Schmerz aber auch ganz schön, ist dir das bewusst? Nein, ich hatte wirklich üble Schmerzen! Vielen Dank auch.

Ich sah nur Horrorbeträge, was Röntgen und MRT kosten könnten und diese Beträge hatte ich nicht. Dazu kam, dass mir niemand sagen konnte, was man dann machen könnte, WENN es Arthrose wäre. Also wirklich zufriedenstellend wäre so eine Diagnose auch nicht, im Gegenteil. Eine Person, die mich schon lange kennt, sagte wenigstens, sie glaube nicht, dass ich das hätte, so gesund wie ich lebe. Und irgendwas in mir drin fand das eine kluge Aussage, die hinkommen könnte.

Oft spürte ich die Ängste der anderen, die sie auf mich und meine Geschichte übertrugen und mir daher nicht wirklich Mut machen konnten. Diejenigen, die selbst Arthrose haben, gingen zunächst wie selbstverständlich davon aus, dass es Arthrose sein könnte. Jemand sagte spontan: Das hatte ich auch! Das ist eine Kalkschulter. Das regeneriert sich von selbst, kann aber zwei Jahre dauern.

Nein, eine Kalkschulter konnte es nicht sein. Im Internet fand ich die Aussage, der entsprechende Schmerz wäre ein stechender Schmerz, wie ein Schwert, das man einem rein bohrt. Mein Schmerz war eher tief und dumpf und bohrend.

Im Internet werden diverse Schultersyndrome beschrieben, auch die „frozen shoulder“. Das passte noch am ehesten. Oft fand ich die Aussage, es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis sich das regeneriert. Und, dass man die Ursache nicht kenne. An einer Stelle stand, manche gehen von einem entgleisten Stoffwechsel auf Basis hormoneller Veränderungen aus. Das könnte passen.

Während meines Weihnachtsurlaubs ging es mir langsam immer besser und ich dachte schon: Jetzt wird es! Inzwischen konnte ich wieder in fast allen Stellungen schlafen und vor allem konnte ich inzwischen überhaupt erst mal wieder schlafen.

Dann, nach meiner Woche krank im Bett wieder ein Einbruch. Der desolate psychische Zustand durch die erneute Trennung von meinem Mann war nicht hilfreich. Nächtlicher Schweiß, wenn auch längst nicht mehr so schlimm wie letztes Jahr; kalte Stellen, Schulterschmerzen nach jedem bisschen zuviel oder dem falschen an Essen. Oft müde, oft eiskalt. Schmerzen in der Arbeit durch die Kälte der Klimaanlage über mir. Nichts schien mich mehr zu wärmen. Ich fror von innen.

Letzten Freitag war ich soweit, mich an meine Krankenkasse zu wenden. Der Tarif, in dem ich versichert bin, sieht vor, dass man sich zunächst telefonisch an die Krankenkasse wendet und ein Arztgespräch bekommt, der mit einem bespricht, welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Man hängt also zuerst in der Telefon-Line, kann eine bestimmte Ziffer drücken, falls es was Akutes ist, ansonsten muss man bissl warten. Es dauerte aber nicht allzu lange. Es wurde grob alles aufgenommen und ein Rückruf für die nächste Stunde angekündigt. Das war dann eine nette Dame, die sich „medizinische Assistentin“ nannte. Nun gut.

Als sie begann ihre vorgefertigten Fragen zu stellen, fing mich das ganze gleich an zu nerven und ich sagte, ich würde ihr gerne von mir aus alles erzählen, wovon ich glaube, dass es wichtig ist zu wissen, um zu verstehen wie alles anfing usw. Das gewährte sie mir freundlich. Und sagte letztlich, ich dürfe ruhig auch Wünsche äußern. Nun ja, ich dachte, ich würde mich gerne mit Wärme und Massagen auf dem letzten Stück Weges begleiten lassen, bis die volle Beweglichkeit zurück ist. Das fand sie sinnvoll und meinte, wenn es ärztlich verordnet ist, übernehmen sie die Kosten. Ob ich einen Arzt hätte oder sie mir einen nennen sollen?

Nun, zu dem mit dem Verdacht auf schwere Arthrose wollte ich nicht mehr unbedingt gehen. Also ließ ich mir einen vorschlagen. Er ist direkt im Nebenhaus von meiner Arbeit, das passt. Diese Praxis hatte ich mir schon mal im Internet genauer angeschaut. Mit dem arbeitet dieses Krankenkasse zusammen. Ich solle sagen, dass ich mit ihnen telefoniert hätte und sie mich hin empfohlen hätten. Dann sollte ich auch rasch einen Termin bekommen. Sie hielt als groben Zeitplan bis Ende März fest, um zu sehen, inwieweit mir geholfen werden konnte und wie bzw. ob man dann weitermachen sollte. So könnte ich in aller Ruhe Physio machen und dann weiter sehen. Diese Absprache hätten sie mir noch per Email geschickt, worauf ich verzichtete.

Danach war ich erneut unsicher, ob ich diesen Arztgang wirklich machen soll. Ich hatte vor so vielem Angst. Vor dem Anwerfen der ganzen medizinischen Maschinerie. Vor der Hürde der 300 Franken Selbstbehalt, denn damit könnte ich dies Jahr bereits die Übernachtungen in München bezahlen, wenn ich beim Zahnarzt weiter machen lasse, nachdem die Implantate eingeheilt sind. Aber auch davor, nicht ernst genommen zu werden. Vor blöden Sprüchen oder Vorwürfen. Davor, mich als Nummer oder Ausländerin behandelt zu fühlen. Davor, dass mir weh getan wird und kein Verständnis für meine Beschwerden aufgebracht wird.

Da ich gestern erfuhr, dass ich heute arbeitsfrei habe, weil im Moment nicht genügend Arbeit für mich da ist, hatte ich Zeit nachzudenken. Und rief gestern in der Arztpraxis an. Man sagte mir, man müsse abklären, ob noch neue Patienten aufgenommen werden, wenn ich bisher keinen anderen Hausarzt hätte. Ich bekäme im Lauf des Nachmittags einen Rückruf. Der erfolgte, ich wurde angenommen und mir wurde für heute Nachmittag ein Termin angeboten. Na wunderbar.

Nun ritten mich wieder die Ängste… Aber dann kam heute alles anders.

Eine freundliche, helle, schöne Arztpraxis, in der ich angenehm empfangen wurde. Wartezeit von einer knappen halben Stunde, das geht noch. Ein Arzt, der sich ganz ruhig und gelassen anhörte, was mir fehlt. Der mich dann sehr ruhig und dezent darauf aufmerksam machte, dass meine Äußerungen über entgleisten Stoffwechsel als Ursache meiner Beschwerden einer Laienmeinung entsprechen, worauf ich meinte: Das mag sein. Vorsichtig und diskret, wie Schweizer nun mal sind, führte er mich im Gespräch dahin, dass er aus seiner Sicht in so einem Fall natürlich gerne wissen würde, was die Ursache des Ganzen ist, denn wenn so starke Bewegungseinschränkungen vorliegen, kann man das nicht unbedingt mit Stoffwechselgeschehen allein erklären. So kam eins zum anderen.

Zunächst untersuchte er mich in Unterwäsche. Schaute sich die Schulter äußerlich an. Ließ mich dann verschiedene Bewegungen mit und ohne Druck ausführen, fand die Einschränkungen doch relativ erheblich und versuchte dann durch Druck auf die typischen Beschwerdestellen bei Schulterproblemen heraus zu finden, wo bei mir der Schmerz genau lokalisiert ist. Das ließ sich schnell und leicht feststellen.

Dann Röntgen von Schulter und Oberarm… In drei verschiedenen Stellungen. Eine davon konnte ich nicht ausführen, aber mit Zuhilfenahme eines Geräts, an dem ich mich festhalten konnte, wenigstens so halbwegs. Er war während dessen anwesend und schaute sich das Ganze schon mal ganz ruhig und genau an.

Dann Blutabnahme und Ermitteln der Werte, die er den Helferinnen vorgegeben hatte. Während dessen sie mich noch wogen (knapp über 68 kg, also zeigt meine Waage daheim etwas zuviel an, das hatte ich bereits vermutet) und maßen. 1.68 m – ha, ich bin geschrumpft. Beim letzten Messen, zugegeben vor einer Menge an Jahren, war ich noch 1.70 groß. Ich sollte in dem Raum warten, bis der Arzt sich äußert, ob er noch weitere Untersuchungen möchte oder das reicht. Das heißt, es wurde sofort an Ort und Stelle nach und nach entschieden, je nach den erzielten Ergebnissen, wie weiter…

Letzten Endes dann das Abschlussgespräch in seinem Zimmer. Die Röntgenaufnahmen, digital, wurden groß an die Wand geworfen, so dass er mir bequem alles zeigen konnte. Keine degenerativen Veränderungen des Schultergelenks. Keine Kalkanlagerungen. Ha! Wusste ichs doch. An einer Stelle eine leichte Engstelle. Die sich aber auf einem der anderen Bilder nicht unbedingt als solche darstellte.

Und an dieser Stelle rückte er damit raus… Er hatte das selbst auch. Schulterschmerzen, die nicht nachzuweisen und zu erklären waren. Wo er nichts machte, sondern abwartete. Nach zwei Jahren gingen sie, wie sie gekommen waren. Er weiß bis heute nicht warum. Wie bei mir gab es keinen Unfall oder nennenswerten Auslöser. Aber ein hohes Leidensmaß, das er aus eigener Erfahrung kennt. Tat das gut, so verstanden zu werden! Schmerzen bei jeder Bewegung, weil die Schulter ein so komplexes Gelenk ist, das man ständig für alles braucht.

Nun meinte er, man könne das natürlich auf sich beruhen lassen und nichts machen, so wie er das tat. Darauf vertrauen, dass die Natur es schon wieder richtet. Aber dann hätte ich jetzt nach einem schwierigen halben Jahr immer noch eineinhalb Jahre vor mir. Man könnte versuchen es abzukürzen. Die meisten Leute, die zu ihm kommen, hätten natürlich den Wunsch, dass er etwas macht. Mein Wunsch nach Massagen oder Physio… Kein Physiotherapeut würde jetzt gerne mit mir arbeiten, wenn ich manche Bewegungen nicht ausführen kann oder mich massieren an Stellen, wo ich Schmerzen habe. Also meinte er, man könne es mit Spritzen versuchen, die an der schmerzhaften Stelle etwas auslösen können. Steroide, abschwellend, entzündungshemmend, schmerzstillend. Man kann es nicht versprechen, dass es was bringt. Aber in vielen Fällen würde es was bringen. Nach einer ersten Spritze könne man abwarten und sehen, ob es anschlägt. Wenn ja, könnte man nach zwei Wochen noch eine setzen und dann weiter sehen. Bei manchen geht das akute Geschehen damit zurück und man kann dann gezielt mit Physio aufbauen. Wenn nicht, muss man eh abwarten.

Ich sagte, das könnte man ja versuchen. Schlimmer werden kann es nicht. Er schränkte vorsichtig ein… Es könnte sich direkt danach und bis zu drei Tage lang so anfühlen, als ob es sich verschlimmert. Dann könnte es aber merklich besser werden. Na gut, damit war ich trotzdem einverstanden. Einen Versuch ist es wert. Die Aussicht, noch eineinhalb Jahre auf Fahrradfahren zu verzichten und mich mit den Beschwerden rum zu schlagen, schien mir nicht sehr erfreulich.

Als er mit der Spritze kam, meinte er, es sei sehr wichtig, dass man sie wirklich genau am größten Schmerzpunkt platziert, wenn sie was bringen soll. Also hat er zuerst durch Drücken den nochmal gesucht und markiert. Als er die Spritze dann setzte, war schnell klar: Genau! Das ist er, DER Scheiß-Punkt! Dann hätten wir ja alles richtig gemacht, meinte er nur. Und ich sollte das Gelenk bewegen, damit es sich innen gut verteilt. Da drauf bekam ich dann noch ein äußerliches Schmerzpflaster über die ganze Gegend und den Rest in der Verpackung mit nach Hause. So eins wirkt 24 Std. und gibt nach und nach immer noch schmerzstillende Substanz ab.

Nun ja, da er genau den Punkt erwischt hat, rumort der jetzt vor sich hin. Da hilft das ganze Schmerzpflaster nicht groß, scheint mir. Nächsten Freitag Morgen Kontrolltermin, ob es was gebracht hat.

Jedenfalls bin ich danach zur Feier des Tages Essen gegangen, mein indisches Gemüse mit einem Kännchen ind. Tee. Mann war ich froh, dass es vorbei war. Und keine meiner Ängste eingetroffen war. Ich fühlte mich ernst genommen und verstanden; mitfühlend und vorsichtig behandelt. Ich hätte alles ablehnen können und wäre ganz ruhig, hoch erhobenen Hauptes dort raus gegangen. Ich weiß jetzt aber ganz sicher, dass mein Schultergelenk nicht degeneriert ist. Es sieht aus, wie es aussehen sollte. Jetzt kann mir keiner mehr was von Arthrose und Abnutzung erzählen, von Kalkschulter oder weiß der Deubel wat.

Es tut mehr weh als vorher, das ja. Aber das ist jetzt das geringere Übel. Ich hab die Chance genutzt, dass das dort schneller in Ordnung kommen kann. Wenn es nicht hilft, setze ich auf die Zeit, wie bisher auch schon. Dann brauche ich einfach noch einen etwas längeren Atem.

Bei meinem Chef hab ich auch kurz vorbei geschaut. Auch für Montag ist inzwischen immer noch nicht genügend Arbeit für mich da. So werde ich Montag ausschlafen und erst Mittag kommen, damit der Chef früher gehen kann, wie in letzter Zeit immer Montags und Mittwochs. Entlastung, das kann ich im Moment brauchen!

Mit dem wärmenden indischen Essen im Bauch hab ich noch eingekauft, was ich fürs Wochenende brauche und bin dann, psychisch gestärkt, nach Hause geflogen. Was bin ich froh!

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13 Gedanken zu „Die Schulter

  1. Liebe Marion,
    auch ich finde es ausgesprochen wichtig, wenn ein Arzt ganz einfach zuhören kann und seine Patienten ernst nimmt. Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du den richtigen Arzt gefunden hast, und dass er Dir wirklich helfen kann.
    Gute Besserung und liebe Grüße,
    Pit

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    • Lieber Pit,
      so wie es von diesem Arzt klang, sind die Möglichkeiten der Hilfe eingeschränkt und ich bin ja auch nicht in erster Linie zum Arzt, damit er meine Beschwerden abstellt. Was ich wollte, geht noch nicht, okay, das habe ich eingesehen.
      Meine Tochter meinte gestern, das klinge aber nicht so gut. Es heiße, die schlechten Ärzte spritzen einem was und schicken einen wieder heim. Die guten Ärzte hätten ein MRT gemacht, wenn man auf dem Röntgen nichts sieht, was die Beschwerden rechtfertigt. Hm…
      Mal die Woche abwarten und sehen, ob und was sich verändert und was er dazu dann meint.
      Danke für deine guten Wünsche – und liebe Grüße nach Texas
      Marion

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      • Liebe Marion,
        mein deutscher Orthopäde macht zunaechst immer eine sehr ausführliche manuelle Untersuchung, dann in der Regel ein MRT, und dann, da es meine Rückenschmerzen von Problemen mit den Wirbel kommen, eine Kur mit Spritzen direkt an die Wirbel. Das wird mit Röntgen kontrolliert, damit die Spritzen nah genug an die Wirbel kommen. Das wird drei Mal innerhalb von ein bis zwei Wochen gemacht. Was genau er spritzt, weiß ich nicht. Müsste ich mal auf den Abrechnungen nachsehen. Mir hilft das normalerweise gut.
        Hier muss ich jetzt mal sehen. Montag habe ich einen Termin beim Orthopäden, u.A. auch wegen meiner Schulter. Da habe ich häufig (leichte) Schmerzen zwischen linkem Schulterblatt und Wirbelsäule, die auch in die Brust ausstrahlen. Das kann – wie mir mein deutscher Orthopäde sagte – leicht mit Herzproblemen verwechselt werden. Und nachdem wir jetzt mit dem Stent mein Herz ja haben „reparieren“ lassen, will ich auch die Schulter in den Griff kriegen.
        Hab‘ ein feines und hoffentlich schmerzfreies Wochenende,
        Pit

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        • Hallo Pit,

          mir missfällt grundsätzlich ein Gesundheitssystem, insofern es sich ausschließlich auf wissenschaftliche Methoden, Kopfwissen und technische Untersuchungsmethoden stützt. Mir gefiel es besser, wenn Landärzte den menschlichen Bezug zum Patienten hatten, dessen gesamte psychosoziale Situation kannten und einschätzen konnten und mit Lebensweisheit oft intuitiv wussten, warum jemand gerade diese oder jene Krankheit durchmacht. Das Ziel war nicht immer, wie heute oft, es einfach weg zu machen (was eh nicht funktioniert oder nur vorübergehend und oft mit einem hohen Preis), sondern hindurch zu gehen durch eine eventuelle Krise, die sich auch mit körperlichen Beschwerden äußert und die Person dabei bestmöglich zu unterstützen, auch mit einfachem Dasein.

          Mich mit irgend etwas spritzen zu lassen, wovon ich nicht mal weiß was es ist, missfällt mir daher ebenso und ich möchte vorher wissen, was meinem Körper da für Substanzen zugeführt werden sollen und was man sich davon verspricht. Denn auch das ist für mich ein Teilen in Stücke, wenn man eine Substanz isoliert betrachtet und einem Gesamtorganismus zuführt, ohne abschätzen zu können, was das mit dem Gesamtorganismus macht.

          Die leichten Schmerzen, die du beschreibst zwischen Schulterblatt und Wirbelsäule, könnte man u.U. ganz gut mit einem Tennisball an der Wand entlang lokalisieren und auf einen verspannten Muskelpunkt zurückführen, diesen dann weglockern mit Druck direkt auf den schmerzhaftesten Punkt. Das bringt den Stoffwechsel dort in Gang und veranlasst den Körper, wegzutransportieren, was sich da angesammelt hat. So hab ich mein ganzes versteiftes Schulterblatt wieder locker und schmerzfrei bekommen.

          Ich wünsch dir, dass du das für dich Richtige für deine Beschwerden findest und dir so geholfen werden kann, wie es für dich passt.

          Ich fürchte, ich werde mit meinen Restbeschwerden dem vorherrschenden Gesundheitssystem wieder den Rücken kehren und meinen eigenen Weg damit gehen. Es gibt ja immer einen Kontext, innerhalb dem sich so etwas entwickelt und ausbreitet oder auch wieder abheilt. Es gibt da gewichtige Gründe, warum ich dort hinein geraten bin, genauso wie letztes Jahr mit dem Ohrgeräusch. In dem Maße, wie es mir gelingt, meine Lebenssituation insgesamt wieder in einen Ausgleich zu bringen, werden sich auch die Beschwerden nach und nach weiter zurück bilden.

          Alles Liebe
          Marion

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          • Hallo Marion,
            ich gebe Dir recht: die Medizintechnik ist nicht Alles, und Spritzen auch nicht. Das ist es, was ich an meinem deutschen Orthopaeden eigentlich gut finde: ausfuehrliche manuelle Untersuchung, aber unterstuetzt von Technik. Normalerweise, aber dafuer bin ich nie lange genug in Deutschland, kaemen nach den Spritzen [die sind uebrigens, wenn ich mich richtig erinnere, schmerzstillend – kein Cortison] dann Massagen. Darauf hoffe ich eigentlich jetzt hier. Mal sehen.
            LG,
            Pit

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  2. Cortison also – das „teuflische Allheilmittel“. Wenn es nichts hilft, hast du auch keine Entzündung – was ja auch ein gutes Zeichen wäre. Hilft es, dann Vorsicht: Nicht mehr als 3 Spritzen in Folge! Dann 1 Jahr Pause. Bei zu häufigem Spritzen werden die Sehnen geschädigt!

    Gut jedenfalls, dass es keine Arthrose ist.

    Gute Genesung und liebe Grüße,

    Helga

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    • Bist du sicher? Bei meiner expliziten Nachfrage, WAS er zu spritzen gedenkt, bekam ich keine direkte und klare Antwort. Das wäre eine Erklärung. Hätte er „Cortison“ gesagt, hätte ich wohl „nein danke“ gesagt.

      Als ich mir die vorbereitete Spritze anschaute, weil ich unbedingt wissen wollte, was er mir spritzt und das dann nachschlagen, merkte ich mir den Namen des Aufdrucks. Um daheim festzustellen, das ist der Hersteller der Kanülen. Tja…

      Danke für deine Genesungswünsche.

      Liebe Grüße, Marion

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  3. Du hast in deinem Beitrag geschrieben, er wolle dir Steroide spritzen (entzündungshemmend, abschwellend etc.). Es gibt zwar verschiedene Steroide, aber nur die Corticosteroide = Cortison wirken so und sind zur Behandlung entzündlich-rheumatischer Beschwerden geeignet.

    Sie helfen bei Hunderten von orthopädischen und rheumatologischen Krankheitsbildern und werden deshalb sehr gerne gegeben. Hier gilt es halt immer, eine Nutzen-/Risiko-Abwägung zu machen.

    Eine Spritze wird dir sicher nicht schaden; sollte sie helfen, kann man auch noch 1 – 2 weitere geben. Aber wie gesagt: danach müsste dann erst mal Schluss sein.

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    • Verstehe.

      Und das macht mich wütend. Warum redet man um den Brei rum? Was hat der Arzt davon, Cortison zu verkaufen? Weil er sonst hilflos wäre und sagen müsste: Ich kann ihnen nicht helfen? Kann man die Entscheidung über sowas nicht wirklich beim Patienten lassen, auch wenn man weiß, dass Cortison nun mal einen schlechten Ruf hat und daher wohl öfter abgelehnt wird?

      Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mir noch eine weitere geben lasse. Aber ich werde ihn am Freitag fragen und auch, warum er mir das nicht gleich gesagt hat?

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  4. Tja, das ist ein Problem bei vielen Ärzten bzw. auch bei den Patienten. Viele Ärzte sind da noch „old style“ und wissen, dass eine Menge Patienten gar nicht wissen wollen „wie, was, warum“, sondern dass sie einfach Hilfe wollen. Ich sehe das immer noch sehr oft in der Verwandtschaft und Bekanntschaft – gerade bei älteren Leuten – dass sie vom Arzt kommen und weder berichten können, was sie eigentlich haben, noch was für ein Medikament sie bekommen haben und warum, und wie es ihnen helfen soll. Viele Ärzte sind auch zu faul, von sich aus etwas zu erklären, was viele Patienten (ihrer Meinung nach) ja doch nicht verstehen, und was sie nur Zeit kostet. Hier ist die Initiative des Patienten gefragt, der dem Doc solange auf den Nerv gehen muss, bis er verstanden hat, was er bekommt, wie es wirkt, welche Nebenwirkungen es haben kann usw.

    Mein früherer Orthopäde hat mir damals bei Beginn meiner Polymyalgie-Beschwerden auch „einfach mal so“ Cortison (zusammen mit einem Schmerzmittel) gespritzt, ohne überhaupt daran zu glauben, dass es eine Rheumaart sein könnte – einfach weil es halt oft hilft. Aber er hat das Kind wenigstens beim Namen genannt (mit dem Begriff Cortison können die meisten halt mehr anfangen als mit „Steroide“).

    Mein jetziger Orthopäde sagt klipp und klar bei meinen Arthrosen, er könne mir entweder Cortison spritzen, was bei Arthrosen wenn überhaupt nur vorübergehend hilft (das sagt er ausdrücklich gleich mit), oder Hyaluronsäure (dann erklärt er es) oder oder …

    Der Weg, einen Arzt zu finden, dem man vertrauen kann, ist oft lang, und Freundlichkeit ist nicht unbedingt ein Indiz für gute Aufklärung. Manche Ärzte sind diesbezüglich aber auch lernfähig.
    Ich erinnere mich an einen Chirurgen, bei dem ich mit meiner Tochter mehrmals war. Anfangs war er fast unwillig über meine penetranten Nachfragen, dann gewöhnte er sich daran, und schließlich erklärte er von sich aus. Ob er das dann aber automatisch bei allen Patienten machte? Das wage ich zu bezweifeln …

    Also fühle dem Arzt ruhig auf den Zahn und schau mal, wie er reagiert …

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    • Das hab ich vor. Denn wenn es keinen Weg zu einem Vertrauensverhältnis gibt, dann ist das kein geeigneter Hausarzt für mich, wobei ich natürlich eh hoffe, einen solchen nur äußerst selten zu brauchen 😉

      Danke Helga für deine Kommentare hier. Ich weiß, du hast viel Arzterfahrung, die ich sehr scheue – und daher wertvolles beizusteuern.

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      • Ach so… Im Grunde hat er sich selbst ein bissel ad absurdum geführt. Zuerst sagt er, er möchte in so einem Fall gerne wissen, woher sowas kommt. So andauernde Beschwerden mit Bewegungseinschränkungen müssen ja eine Ursache haben. Letzten Endes findet er keine Ursache und muss mir die Antwort, die er herausfinden wollte, nach Aufbietung aller technischer Möglichkeiten schuldig bleiben und bekennt, dass er es selbst hatte und auch dort keine Ursache festzumachen war.

        Ich könnte jetzt sagen: Hm, für mind. 300 Franken hab ich mir nun die Auskunft gekauft, dass meine linke Schulter keine degenerativen Veränderungen zeigt. Das wars dann aber auch.

        Jegliche Unterstützung und Hilfe, die ich mir gewünscht hatte, müsste ich jetzt selbst zahlen, weil er meint, das macht jetzt keinen Sinn. Wobei er von Anfang an auf die zwei Jahre fixiert ist, die es bei ihm selbst dauerte. Obwohl das ja nicht immer so lang dauern muss.

        Esther erzählte mir gestern, als sie mal Probleme mit der Schulter hatte und man auf dem Röntgen nichts sah, wurde ein MRT gemacht. Dort konnte man sehen, dass eine Sehne bereits angerauht war. Man erklärte ihr, dass sie so weiche und bewegliche Muskeln hätte, dass es ständig auf der Sehne scheuert und verordnete ihr gezielte Bewegungsübungen, um die Muskeln so zu stärken, dass das nicht weiter passiert.

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