Von Bürger- und anderen Bewegungen, Ernährungsgewohnheiten u.a.

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WAS und vor allem WANN?

Es ist noch nicht so lange her, als ich auf einer Website oder einem privaten Blog einer Frau las, sie beteilige sich nicht an Aktivitäten von Avaaz oder ähnlichem, weil sie auf dem Standpunkt stehe, dass Kampf immer neuen Kampf erzeugt; so sinngemäß. Das ist eine Haltung, die ich respektieren kann. Und die mich zum Innehalten gebracht hat.

Für mich persönlich fand ich, dass ihre Aussage zwar grundsätzlich stimmt. Trotzdem ist es mir wichtig, mich in dieser Welt, in der ich lebe, aktiv einzubringen, indem ich auch an der einen oder anderen Stelle zum Ausdruck bringe, was mir gefällt oder missfällt. Das tut man ja auch durch das eigene Verbraucherverhalten. Ich denke, dass durchaus positive Änderungen eingeleitet werden, indem man über Missstände spricht und manches überhaupt erst publik macht und dann auch Unterschriften sammelt.

Kürzlich ging über Avaaz der Aufruf zur Unterschriftensammlung herum, der Druck auf die Firma Benetton ausüben soll. Es geht um die eingestürzte Kleiderfabrik in Bangladesch mit über 1000 Toten (Unsere Kleidung ist tödlich). Die beteiligten Firmen, die dort produzieren lassen, haben sich zusammen getan, um eine Opferentschädigung ins Leben zu rufen, also erste Konsequenzen zu ziehen. Nur Benetton hat sich geweigert.

Auch ich fand im letzten Jahr in Kleidung immer mal wieder das Etikett „Made in Bangladesh“. Ja, ich gebe zu, sich bei einer online verbreiteten Unterschriftensammlung per wenigen Klicks zu beteiligen, ist nicht die große Aktion für positiven Wandel. Und ich gehe in der Regel auch nicht her und überprüfe die Details, wenn ich so eine Mail bekomme, ob das alles so stimmt. Ich vertraue Avaaz und ähnlichen Aktiven-Gemeinschaften bisher, trotz der Kritik, die an Avaaz auch schon geübt wurde (siehe mein Beitrag auf tausendundeineblume: Bürgerbewegungen). Aber ich unterschreibe nicht alles, was solche Bürgerbewegungen ins Leben rufen. Wenn eine innere Stimme nicht eindeutig „ja“ sagt, lasse ich es sein.

Über die Albert-Schweitzer-Stiftung bin ich heute aufmerksam geworden, welche Tierwohl-Policy Aldi Süd im Moment auf ihre Fahnen schreibt (siehe). Und freu mich über solchen Vorstoß. Zitat:

Aus der Einkaufspolitik geht auch hervor, dass die Unternehmensgruppe neue Initiativen anstoßen wird. Diese befassen sich mit Problemen in der Milchkuh- und Kälberhaltung, in der Büffelhaltung (Mozzarella) sowie in der Mast von Rindern und Barbarieenten.

Die Probleme in der Milchkuh- und Kälberhaltung berühren mich besonders, seit ich neben einem Kuhstall wohne, auch wenn es in letzter Zeit dort relativ ruhig zugeht und ich mich schon gefragt habe, ob es sein kann, dass es tatsächlich so ruhig dort geworden ist, oder ob ich es schlicht nicht mehr höre, weil ich mich daran gewöhnt hab? Aber letzteres kann ich mir nicht vorstellen. Eben vorher hörte ich eine Kuh muhen. Nein, nein, das würde ich nach wie vor wahrnehmen.

Seit ich in der Schweiz lebe, nehme ich Firmenpolitik und Verbrauchverhalten ohnehin wieder anders wahr. Der Riese Migros gibt per eigener wöchentlich verschickter Zeitschrift ständig von sich, welche Umweltbedingungen künftig besser berücksichtigt werden, welche Tierschutzaspekte etc. Es gibt viele verschiedene Labels, mit denen tierfreundliches und ökologisches Bewusstsein nach außen demonstriert werden.

Trotzdem scheint die Verwendung von Plastiktüten hier noch so verbreitet, wie ich es aus Deutschland zum Glück nicht mehr kannte. Da sind die Schweizer etwas später dran.

Als ich kürzlich mit Fieber daheim lag, folgte eine Phase, in der mein Körper sich grundlegend durchzuputzen schien. Ich konnte so gut wie nur vegan essen, was anderes brachte ich nicht rein. Also wurde viel frisch gekocht, es gab viel Gemüse und statt Süßem gab es Smoothies aus Obst in rauhen Mengen. Es war eine Phase, die auch ein Ende hatte, so dass ich danach auch wieder nach Käse und Eiern Verlangen hatte.

Als ich in dieser veganen Phase nach gschmackigen Alternativen zum Gewohnten suchte, fand ich u.a. in der Migros „Würstchen“, die Regensburgern nachempfunden sind und auf der Basis von Quorn hergestellt werden (siehe tausendundeineblume: Vegetarische Fertigprodukte), das ich mag und schätze. Diese Würstchen – in Ringe geschnitten und angebraten – bildeten eine wunderbare Grundlage für ein Gericht, in das auch viel Zwiebel kam, mit Weißwein angegossen und letztlich mit Curry-Reis als Beilage ergänzt wurde.

Weil das so gut geklappt hatte, kaufte ich eine Woche später andere (vegetarische) „Würstchen“ in der Migros, woraufhin meine Verdauung ein bisschen meckerte und ein Blick auf die Zutatenliste mich ein bisschen stutzen ließ. Eiweiß aus Eiklar und Milch standen mit drauf. Na sorry, das ist für mich eine Mogelpackung. Das werd ich sicher nicht nochmal kaufen. Auf Milch verzichte ich weitgehend, weil sie bei mir für Blähungen sorgt. Also werde ich sie mir nicht über diese Ecke reinziehen.

Ich staune über mich selbst, was in letzter Zeit auf meinem Speisezettel erscheint und was dort kombiniert wird, was ich früher für sehr seltsam gehalten hätte. Zum Beispiel Kichererbsen aus der Dose in einem Gemüse, in das eine frische Tomate und auch Rote Beete (gekocht gekauft) kamen. Mit indischen Gewürzen, aber auch Lorbeerblatt und Wacholderbeeren gekocht wurde ein sehr interessantes leckeres Gericht draus.

Seit der oben erwähnten Phase gibt es nun bei mir manchmal als Dessert Schoko-Bananen. Hierzu hab ich mich von schlemmerbalkon inspirieren lassen. Geht schnell und ich mag sie. Einfach Schokokuvertüre verflüssigen und über die Bananen laufen lassen oder streichen. Verzieren kann man, es geht aber auch gut ohne. Ich verwendete gestern diese farbigen Zuckerstreusel, die ich seit der Verwendung auf Weihnachtsplätzchen von meiner Oma liebe.

Ihr vermisst den roten Faden in diesem Beitrag? Nun, mir scheint, er mag nicht auf den ersten Blick zu finden sein. Trotzdem hängt das alles innerlich für mich zusammen und wollte ich daher in diesen Beitrag packen.

Es sind Zusammenhänge, die mich beschäftigen, obwohl ich auch kritisch beobachte, dass manche durch die Art des Verbraucherverhaltens und der Ernährung versuchen, die besseren Menschen gegenüber den anderen zu sein.

Solange ich meinem inneren Gefühl folge und es mir gut damit geht… Solange es mir nicht egal ist, wie, unter welchen Umständen Nahrungsmittel produziert und transportiert werden… Solange ich darauf achte, was mein Körper wann braucht und verarbeiten kann… Solange ich nicht stumpf und unhinterfragt vor mich hin lebe, sondern mich beteilige und mitverantwortlich fühle… Bin ich kein besserer Mensch. Aber fühle ich mich wohl in meiner Haut. Und dafür zu sorgen wird mir immer wichtiger.

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4 Gedanken zu „Von Bürger- und anderen Bewegungen, Ernährungsgewohnheiten u.a.

  1. Hallo Marion,
    nach meinem Herzkatheter und Stent bin ich auch gerade dabei, meine Ernaehrung etwas zu aendern. Nicht dass ich vorher gaenzlich ungesund gelebt haette, aber etwas besser geht es doch noch. So kommt jetzt mehr Frischgemuese – roh oder gekocht – auf den Tisch. Morgens gibt’s wieder verstaerkt Muesli, Granola etc., plus Obst und Joghurt. Und ganz besonders beim Aufschnitt wird gespart, des Fetts und noch mehr des Salzgehalts wegen. Das Salz ist hier ein echtes Problem: man kann, wenn man das reduzieren moechte, nichts mehr aus der Dose essen. Und auch mit allem Anderen muss man wahnsinnig aufpassen. Heute morgen gab’s uebrigens Champignons, in der Pfanne mit nur einem Teeloeffel Olivenoel gebraten und mit etwas Mittelmeer-Kraeutern gewuerzt.
    Hab‘ ein feines Wochenende, und lass‘ es Dir gut gehen,
    Pit

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    • Hallo Pit,
      danke für deinen Kommentar. Es freut mich immer, solche Veränderungen mitzubekommen.
      Es sind halt sehr tief verwurzelte Gewohnheiten, mit denen die meisten von uns aufwachsen. Weswegen wir es meistens erst hinterfragen, wenn wir Schmerzen oder größere gesundheitliche Probleme haben.
      Grad bin ich auf das Video Leben ohne Fleisch – wie gesund ist vegetarische Ernährung? gestoßen. Die versteckten Fette in Wurstwaren und Fertignahrung sind wohl eins der gesundheitlichen Risiken. Spannend, wenn Ärzte ihre Patienten auf die Zusammenhänge hinweisen, was auch nicht schon immer so war, bilde ich mir ein.

      Als ich gestern Mittag im Restaurant essen ging, reizte mich das Menu, das sie die ganze Woche hatten: Täglich ein anderer Burger mit einer Portion Pommes. Ich hatte auf das Angebot eines Vegi-Burgers gehofft, aber Fehlanzeige. Was tun? Das alternative vegetarische Gericht für diesen Tag war Linsengemüse mit Feigen und Kuskus. Um ehrlich zu sein, sah es etwas trocken aus und für mich etwas weniger einladend als der Burger-Teller. Ich entschied mich trotzdem für das Gemüse und war sehr positiv überrascht. Es schmeckte gar nicht trocken und durch die Feigen war eine leichte Süße enthalten, die den Geschmack sehr fein abrundete. Ich kam voll auf meine Kosten.

      Ich bin mit viel Fleisch aufgewachsen und hab auch nie gelernt, anders zu kochen. Ich hab mir manches selbst angeeignet. Dieser Prozess geht jetzt weiter. Und ich staune, wie oben beschrieben, was miteinander einfach lecker schmeckt, einfach weil es frisch gekocht und achtsam gewürzt ist.

      Champignons zum Frühstück mit Kräutern gebraten klingt sehr lecker.

      Ich wünsch dir auch ein schönes Wochenende und eine gute Zeit
      Marion

      Gefällt 2 Personen

      • Hallo Marion,
        ja, die Gewohnheiten! Aber ein Vegatarier werde ich nicht werden. Nur eben mehr „Grünzeug“. Und gelegentlich werde ich auch „sündigen“. Z.B. heute morgen, mit „sausage patties“. Das ist Gehacktes in Wurstform, das wir in Scheiben schneiden und wie kleine Hamburger in der Pfanne braten. Dazu wird es „hash browns“, also so etwas wie Rösti, geben. Und heute Abend werde ich mir zum Wein wohl auch etwas Weichkäse gönnen. Aber dann, in der nächsten Woche, wird’s wieder gesünder.
        Hab‘ noch einen schönen Restsonntag und ein paar weiße Tage,
        Pit

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        • Hallo Pit,
          dass du den Anspruch nicht hast, dachte ich mir. Aber man weiß das vorher nie so genau, wie man sich unterdessen verändert. Je mehr „Grünzeug“ (und Rot-, Orange-, Gelbzeug 😉 ) man isst und sich gut und fit damit fühlt, umso mehr verlangt der Körper vielleicht auch danach.
          Das was einem gut tut, an das kann man sich manchmal rasch gewöhnen.
          Stell dir vor, du hättest deine Kindheit und dein halbes Leben lang nix von Massagen gehört, stellst dann aber fest, wie angenehm die sein können. Auch wenn es verpönt wäre als etwas für Weicheier, würdest du dir vielleicht doch, wenn du die Möglichkeit hast, immer wieder welche gönnen.
          Ich bin beim Essen auch nicht so „straight“, stelle aber fest, wie sich nach und nach etwas verändert, was ich so nicht unbedingt erwartet hätte.
          Ich wünsch dir auch noch einen schönen Sonntag – und danke für die weißen Tage 🙂
          LG, Marion

          Gefällt 1 Person

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