Messergravur

302.1 Beitragsbild

Relativ stark im Gebrauch hier sind „Schweizer Messer“, auch Taschenmesser oder „Sackmesser“ genannt (von Hosensack statt Hosentasche).

Sie sind sehr beliebt als Geschenk, zu Firmung, Geburtstag oder einem Firmen- bzw. Vereinsjubiläum. Und dann stehen sie oft bei uns im Laden und fragen nach einer Gravur.

Um ehrlich zu sein, fürchte ich sie inzwischen etwas. Das liegt daran, dass es sie mit sehr unterschiedlicher „Schale“ gibt und genau davon hängt es ab, ob die Gravur – und vor allem das Einfärben und nachherige Putzen – gut und einfach zu machen geht oder ob es eine mühselige Prozedur mit nicht wirklich zufriedenstellendem Ergebnis wird. Letzteres ist leider häufiger.

Die Farbe der Schale ist dabei zweitrangig. Das traditionelle dunkelrot ist schwarz gewichen, aber auch neongelb. Und neuerdings gibt es sie häufiger mit durchsichtiger Kunststoffschale.

Ist diese tendenziell weich oder mit unebener Oberfläche, dann wird es unangenehm und weniger schön. In den Fällen einer sehr glatten und härteren Oberfläche geht es leichter und wird schöner. Manchmal kann man die Eigenschaften aber nicht auf den ersten Blick erkennen, sondern erst, wenn man dran arbeitet.

Die Gravur wird mit einer Art Ölkreide eingefärbt. Die sieht aus wie eine dicke Wachsmalkreide, mit Papier ummantelt. Wir bewahren sie in luftdicht verschließbaren Plastiktütchen auf, um Austrocknen vorzubeugen. Bei jeder Verwendung wird mit einem Messerchen die oberste Schicht abgetragen, um sicher zu sein, dass man direkt mit der weichen Kreide färbt, so das sie gut in die Rillen der Gravur rein geht. Dann lässt man sie am besten – so meine Erfahrung – gut trocknen, um nicht gleich wieder alles mit heraus zu putzen. Nur in den Fällen, wo die Oberfläche der Messerschale so rauh ist, dass auch dort die Ölkreide in den kleinen Vertiefungen haften bleibt, ergibt es Sinn, rasch und vorsichtig abzuputzen, damit sie dort abgeht, wo die Farbe nicht bleiben soll. Geputzt wird in dem Fall nicht – wie sonst bei Schildern – mit Spiritus, sondern mit Silikonöl.

Ein Beispiel möchte ich euch zeigen. Es wurde vor etwa zwei Wochen angefertigt. Es ist das erste gravierte Messer in rosa und ich hab das erste Mal bei der Gravur eines Messers gewagt, eine weniger „gerade“ Schrift zu verwenden, weil ich das für ein Mädchen passend fand. Auch die Verwendung der silbernen Ölkreide fand ich hier harmonisch zur Optik des Messers und den Verwendungszweck für ein Mädchen, obwohl man sich darüber streiten könnte, ob eine andere Farbe sich nicht besser vom unruhigen Untergrund abgehoben hätte.

302 Rosa Sackmesser mit Gravur_09.02.2015

Dieses Messer ging extrem gut und leicht zu gravieren und machte deshalb in Verbindung mit der Farbe und Schrift besondere Freude.

Eine der Schwierigkeiten beim Gravieren von Taschenmessern und ähnlichem ist immer: Wie bekommt man den Gegenstand so eingespannt, dass der Schriftzug möglichst „gerade“ wird. Und was in dem Fall „gerade“ bedeutet, das ist auch ein bisschen Geschmackssache. Die einen finden es gerade, wenn nach oben und unten jeweils gleich viel Platz gelassen wird; die anderen, wenn man sich am oberen Rand orientiert. Im Zweifel sprechen wir uns miteinander ab.

Wie weiß man vorher, ob die Gravur möglichst mittig sitzt, weil man so ein Taschenmesser nicht in die üblichen Backen mit der Maßeinheit einspannen kann?

Nun, wir verwenden dazu statt dem Fräser zunächst einen für diesen Zweck hergestellten Kugelschreiber, der wie ein Fräser in die Maschine eingeschraubt werden kann. Die Gravuroberfäche wird mit einem Papier abgeklebt und dann lässt man die Gravur einmal ganz ablaufen. Jetzt kann man sehen, wo die Gravur genau platziert würde und ob der Schriftzug noch verschoben oder insgesamt geneigt werden sollte.

Auf welcher Seite graviert wird, wird jeweils mit dem Kunden abgesprochen. Manche möchten es auf der Seite mit dem Schweizer Kreuz, manche – wie hier – auf der Rückseite.

Manchmal wird das Ergebnis besser, wenn die Gravur in zwei Schritten erfolgt, zunächst mit mäßiger Tiefe, beim zweiten Mal tiefer. Das kommt manchmal gut, wenn der Kunststoff relativ weich ist, weil es dann nicht so stark fetzelt. Wenn es fetzelt, wird es mühsam. Dann kann man versuchen mit dem Messerchen die abstehenden Kunststoffteile abzuschneiden, damit nach dem Färben die Oberfläche der Gravur sauber aussieht.

So – und bei einem der nächsten Male erzähle und zeige ich dann auch noch was zur Produktion von Stempeln, dem Hauptgeschäft unserer kleinen Firma, in der ich arbeite.

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Siehe auch

tausendundeineblume: Schildermacher, Aus der Schildermacherei

Unterm Firmament: Aus der Schildermacherei, Aus der Schildermacherei II, Aus der Schildermacherei III

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7 Gedanken zu „Messergravur

  1. Ich finde das interessant zu lesen. Früher habe ich viele Gegenstände mit meinem Namen versehen und mag auch Gravuren. Stempelherstellung finde ich auch interessant und habe ich während eines Praktikums ausführen dürfen (vor 30 Jahren 🙂 ).

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Uta,
      beides, das Gravieren und das Stempel herstellen, sind einfach ein schönes Handwerk. Ich durfte beides lernen, bin aber beim Gravieren mehr daheim, während der Chef beim Stempel herstellen mehr daheim ist und das ist auch jeweils unsere Hauptaufgabe, so passt es. Während Urlaubs- oder Krankheitszeiten können wir einander vertreten.
      Vor 30 Jahren hattet ihr aber noch keinen Laser zum Stempel herstellen, oder??

      Gefällt mir

  2. Pingback: Stempelmacher | Unterm Firmament

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