Stempelmacher

Heute ein bissl was rund um Stempel, wie schon länger versprochen.

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Da ich in meinem Berufsalltag nur noch wenig damit zu tun habe, außer der Chef ist in Urlaub, ist das Thema immer wieder ins Hintertreffen geraten. D.h. ich wurde grundsätzlich angelernt, wie Stempel mit dem Lasergerät hergestellt und verwendet werden und bin insofern damit befasst, wenn Kunden nach Preisen fragen oder einen bestimmten Stempel kaufen wollen und ich allein im Laden bin. Da wir auch die Stempelanfertigung innerhalb einer Stunde anbieten, bin ich in der Lage, innerhalb dieser Zeit einen Stempel herzustellen, wenn außer mir niemand im Laden ist, außer es wäre ein sehr spezieller und komplizierterer Wunsch.

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen den modernen und heute gebräuchlichsten Trodat Stempeln in diversen Ausführungen (wir führen auch andere Marken, aber die Masse sind Trodat Stempel) und den früher üblichen Handstempeln.

Es gibt die Trodat Printy Stempel in verschiedenen Größen und Abdruck-Formaten, wobei der Kunde Gehäuse- und Abdruckfarbe wählen kann sowie die verwendete Schriftart und was genau drauf stehen soll; auch Logos etc. sind möglich. Der Preis bei Neukauf ist immer incl. der gewünschten Stempelplatte, egal was auf ihr drauf steht.

Wie das letzte Bild zeigt, haben diese Stempel ein integriertes Stempelkissen (schwarzes flaches Kästchen), das über die Rückseite ausgewechselt werden kann, wenn der Abdruck zu schwach wird.

Diese Stempel sind handlich und praktisch: Ein Druck nach unten und der Abdruck sitzt. Es gibt sie auch noch viel kleiner und quadratisch für bestimmte Verwendungszwecke. Die sind besonders leicht in die Tasche zu stecken.

Ist man umgezogen, hat geheiratet oder einen sonstigen Grund, den Text auszuwechseln, kann einfach eine neue Stempelplatte montiert und der Stempel weiter verwendet werden; man bezahlt nur die Textplatte. Auch wenn etwas unscharf, das sieht etwa so aus:

435 Textplatte

Mit einer Pinzette wird der alte Stempelgummi abgezogen und mittels einem speziellen Doppelklebe-Material die neue Textplatte angebracht. Bei der Gelegenheit wird häufig auch gleich das Stempelkissen mit erneuert und man kann seinen Stempel fast wie neu weiter gebrauchen.

Beim Montieren von Stempelplatten in gebrauchte oder neue Stempel machen wir immer wieder die Erfahrung: Es gibt Tage, da sitzt das erste Aufbringen sofort im Winkel perfekt, das wird ein guter Tag 🙂
Oder die montierte Textplatte sitzt schief, man muss sie wieder abziehen und es nochmal probieren, manchmal 3 bis 4 mal, bis sie halbwegs gerade drin sitzt. Das wird dann ein etwas aufwändigerer Tag.
Zum Teststempeln haben wir kariertes Papier, so dass man sofort sieht, wenn man den Stempel (das Gehäuse) im Winkel ansetzt, ob der Abdruck dann auch entsprechend sitzt.
Den Stempelgummi sollte man beim Montieren möglichst nicht verziehen (verzerren).
Wie gut es klappt, hängt einfach mit der Tagesform zusammen und es ist beruhigend, dass wir alle gute und weniger gute Tage haben. Das darf so sein, es ist Handarbeit und wir sind Menschen.

Für den professionellen Gebrauch in Behörden oder großen Firmen gibt es die stabilere Variante, die Trodat Professional Stempel, die auch Stativstempel genannt werden.

Es gibt sie mit eingebauten Rädchen für das aktuelle Tagesdatum, aber auch nur mit einer üblichen Textplatte drin oder einer Kombination aus beidem.

Für das Wechseln der Stempelkissen im Printy oder Professional (sowie weiteren Marken) haben wir eine ganze Wand mit Ersatzkissten auf Lager, jeweils in den gängigen Farben schwarz, rot, blau und grün.

Es gibt diese Stempelkissen für die gängigsten Formate inzwischen auch in weiteren attraktiven Farben (wie gelb, orange, grün, braun); sie sind jedoch gegenüber den Standard-Farben weitaus teurer und müssen separat bestellt werden.

Die Handstempel sind das, was die meisten noch von früher kennen.

Man braucht nebendran ein separates Stempelkissen.

Sie sind aus schwarzem Holz oder Kunststoff. Vorne drauf kommt ein Aufkleber mit dem aktuellen Abdruck. Für diese Handstempel haben wir auch eine ganze Wand mit Rohlingen in diversesten Größen auf Lager.

Wird ein Format gewünscht, für das wir keinen fertigen Rohling passend haben, fertigen wir händisch an. Dazu haben wir die entsprechenden Hölzer als Stangen vorrätig. Es wird auf die gewünschte Größe zugeschnitten, an der Schnittstelle noch schwarz angemalt, für den Griff ein Loch gebohrt und dieser eingepasst.

Früher gab es in den Griffen ein Nägelchen (Metallkuppe), das heute nicht mehr benötigt wird. Bei bestimmten Handstempeln bringen wir dieses auch heute noch an, aus Orientierungs- und / oder nostalgischen Gründen. Es signalisiert dem Nutzer, wo vorne und hinten ist. Die Seite mit dem Nägelchen zeigt zum Nutzer.

Wofür noch Handstempel?

Nun, da gibt es einmal die Leute, die seit Jahrzehnten so stempeln und denen alles andere suspekt ist. Sie haben ihr Stempelkissen auf dem Tisch und möchten weiter wie gewohnt stempeln, das erscheint ihnen das einfachste.

Handstempel braucht es aber auch überall dort, wo der Abdruck so groß werden soll, dass die Trodats von der Größe her einfach nicht mehr ausreichen.

Dann gibt es aber auch eine Gruppe von jungen Leuten, die sich als kreatives Element z.B. für ihre Geschäftsneugründung einen Handstempel mit speziellem Bild oder Logo anfertigen lassen, damit ihre Papiertüten zum Verpacken ihrer Produkte stempeln oder Flyer oder …

Für manche sind Handstempel auch bereits attraktives Vintage und sie wählen z.B. bewusst die Wirkung eines Stempelabdrucks für ihre Hochzeits-Einladungen. Dass der Abdruck – abweichend vom normalen Druckenlassen von Karten – vor allem bei größeren Formaten ungleichmäßig gesättigt ist, empfinden sie als von der Norm abweichenden und nostalgisch anmutenden Look, den sie sich dafür wünschen. Das macht natürlich Spaß mitzubekommen.

Nun aber noch zu den Stempelplatten aus Gummi… Wie werden die hergestellt?

Wir kaufen die Platten in größeren Mengen (etwa Din A4 Format), gestalten am Computer die gewünschten Stempel in Schriftzügen und / oder Logos, Bildern etc. Dann werden mehrere Stempelentwürfe zu einer Produktionseinheit auf einer Seite zusammengestellt (natürlich kann man auch einzelne Stempel herstellen, wenn es aufgrund eines Termins grad mal angezeigt ist), die Daten werden vom Computer an das Lasergerät gesandt, wo die Gummiplatte bereits drin liegt und am Rand gegen Verrutschen leicht fixiert wurde. Im Lasergerät markiert man nun einen Nullpunkt (links oben an der Ecke der verwendeten Gummiplatte), an welcher Stelle genau die Produktion beginnen soll, indem man genau dort hinfährt und eine Taste zum Speichern dieser Stelle drückt. Sobald man startet, fährt das Teil, wo der feine Laserstrahl austritt, quasi zeilenweise über der Gummiplatte hin und her und „schneidet“ durch den Wechsel von stärkerem, schwächerem oder keinem Laserlicht die gewünschten Formen heraus. Am Ende ist die Platte mit dem (leicht klebrigen, speziell riechenden) Gummistaub bedeckt, der dabei entstanden ist.

Das gröbste wird – noch im Gerät – mit einem feinen Staubsauger entfernt. Dann geht man mit der Platte zum Waschbecken, spritzt großzügig Spülmittel drüber (um die Oberflächenspannung des anschließend verwendeten Wassers zu brechen), bürstet das Spülmittel sorgfältig über die ganze Platte so, dass es auch in die kleinsten Vertiefungen der Buchstaben oder Zeichen rein kommt und spült nun mit lauwarmem Wasser alles ab. Durch diese Behandlung wird der Gummistaub auch aus den kleinsten Vertiefungen entfernt.

Nun trocknet man den Gummi ab und bläst ihn noch mit dem Luftdruck aus / ab. Die Platte sieht nun z.B. so aus…

Aus ihr werden nun die für die jeweiligen Stempel benötigten Teile mit der Schere per Hand und / oder einem speziellen Schneidgerät zugeschnitten und auf / in die Stempel montiert.

Hat man eine sehr kleine / feine Schrift oder Teile von Logos / Bildern, kann man vor Starten des Laserns die Flanke händisch entsprechend einstellen. Sehr feine Schrift wird meistens steiler gelasert, damit der spätere Abdruck sauberer herauskommt.

Handstempel sind nicht für den späteren Wechsel von Textplatten gedacht. Sie werden in der Regel nur einmal mit der ersten Textplatte verwendet und bei Bedarf neu angefertigt.

Das war ein kleiner Einblick ins Stempelhandwerk, das ich neben der Schilderherstellung neu erlernt hab. Manchmal hat mir der Kopf geraucht, anfangs musste ich vieles aufschreiben. Auch heute noch nehme ich bei Bedarf meine Notizen zur Hand.

Wenn ich jetzt beim Schreiben bedenke, dass ich am 1. August 2012 neu in die Schweiz kam, zum 1. Juli 2013 diesen Job begann, in dem ich so vieles neu zu lernen hatte und auch bereits die Trennung von meinem Mann im Raum schwebte mit der Notwendigkeit, dann finanziell unabhängig klar zu kommen, ich dann zum 1. Dez. 2013 aus der gemeinsamen Wohnung auszog, verwundert es nicht, dass ich zwischendurch Ohrengeräusche und am Höhepunkt Drehschwindel hatte und auch sonst psychisch und körperlich manchmal nicht nur an der Grenze, sondern bereits darüber hinaus war. Ein neues Land mit eigener Sprache und eigener Mentalität, an die ich mich erst zu gewöhnen und unterschätzt hatte, ein neuer Job mit zweierlei anzueignendem Handwerk und dann alles rund um die eigene Wohnung mit Anfahrt zum Job per Öffentlicher Verkehrsmittel, Einrichtung der Wohnung ohne Fahrzeug… Mann, gehts mir jetzt gut, das alles geschafft zu haben! 🙂

Allerdings ist so auch verständlich, warum ich nicht – wie manche erwartet hätten – nach der Trennung von meinem Mann zurück nach München gegangen bin. Bis jetzt wäre mir das schlicht „too much“ gewesen, das hätte ich nicht gepackt. Und alles mühsam Errungene hätte ich gleich wieder weg geworfen, wie der Job, der mich nährt und halbwegs trägt.

Ich bin immer noch dabei mich von all den psychischen Leistungen zu regenerieren und bin sicher, auch die Schulter hatte den Hintergrund der inneren Überforderung. So dass es jetzt vor allem darum geht, einen behutsamen und sanften Umgang mit mir selbst zu pflegen und wieder Kraft zu schöpfen.

Jemand anderer hätte das vielleicht souveräner gemeistert, aber für meine Bauart…

Aber das nur nebenbei. Ich hoffe, ihr fandet die Details zur modernen Stempelherstellung genauso interessant, wie mich das alles faszinierte und immer wieder Freude macht, damit zu arbeiten.

~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~

Siehe auch Messergravur, Aus der Schildermacherei III, Aus der Schildermacherei II, Aus der Schildermacherei, Aus der Schildermacherei (alter Blog), Schildermacher (alter Blog)

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13 Gedanken zu „Stempelmacher

  1. Hallo Marion,
    danke für diesen wieder einmal hochinteressanten Einblick in Dein Berufsleben. Ich hatte es ja früher schon einmal gesagt: zwischen den Zeilen liest man, wie sehr Dir Deine Arbeit Spass macht. Hoffentlich bleibt es weiter so. Und gut ist, dass es Dir mittlerweile auch gesundheitlich wieder besser geht. Hoffentlich bleibt auch das so. Ich halte Dir jedenfall dazu die Daumen.
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
    Pit

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Pit,
      danke für dein Interesse und ja, ich merkte es erst beim Schreiben, dass mich das Thema direkt wieder positiv packt, obwohl ich längere Zeit keine Stempel mehr gemacht habe. Ich mag es.
      Ja, hoffentlich verbessert sich meine Gesundheit wieder so, dass ich mich rundum wohl und ausgeglichen fühle. Ich gebe dem die Raum und Zeit, die ich dafür brauche.
      Liebe Grüße
      Marion

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Marion,

    ich finde deine Beschreibungen zur Schilder- und/oder Stempelherstellung immer sehr interessant! Praktisch jeder braucht ja immer mal wieder ein Schild oder einen Stempel, aber praktisch keiner weiß, wie die entstehen bzw. geschaffen werden und worauf da alles zu achten ist! Kann mir auch vorstellen, dass diese Arbeit Spaß macht, weil doch auch neben der Technik viel Kreativität drinsteckt!

    Weiterhin viel Freude an deiner Arbeit wünscht dir

    Helga

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Helga,

      danke für deine Rückmeldung, wie diese Erzählungen auf dich wirken.

      Es war schon immer so, dass ich nach der Arbeit ganz gerne etwas von dem gesehen hab, was ich da die ganze Zeit gemacht hab. Sei es in Form von Anzeigen in der Zeitung, die ich mir ansehen konnte oder jetzt in Form von Produkten, das ist natürlich noch greifbarer. Und du hast Recht, Kreativität hat ihren Raum bei diesem Job und das ist einer der Faktoren, warum ich ihn gern habe.

      Liebe Grüße
      Marion

      Gefällt mir

  3. Eine sehr schöne Beschreibung der Stempelmacherei. Ich bevorzuge Handstempel und habe ein Rondel, in das ich sie einhänge. Stempelkissen habe ich in violett, grün, gold, schwarz und als bunte Mischung aktuell von Tchibo. Beim Bastelzubehör findet man in letzter Zeit häufig Stempel mit Symbolen und Schriftzügen zum Dekorieren.
    Liebe Grüsse – Uta

    Gefällt 1 Person

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