Kreativer Freitag 17.04.2015: Unrasierte Helden

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Themenstellung – und hier mein Beitrag…

Zeitsprung zurück. Ich war 14 und verliebte mich unsterblich. Er war 20 und MEIN HELD. Rasiert. Korrekte Umgangsformen. Ehrgeizig, großzügig, weltoffen, wacher kluger Geist. Groß und schlank. Schmale Hüften, breite Schultern. Seine Liebesschwüre kamen auf Französisch, wie romantisch… Ich hatte kein Französisch gelernt, aber natürlich schaffte ich es, sie zu übersetzen und verstehen. Jedenfalls war er…

699 mon pumaWenn er eine schwarze Hose und eins seiner eleganten Hemden anhatte sowie dezent duftete, hätte ich in Ohnmacht fallen können. Göttlich. Eben – mein Held.

Er war auch eigensinnig und hatte bestimmte Erwartungen an seine Zukünftige. Sie sollte sich ebenso gerne elegant kleiden, lange Haare haben wie ich damals, sich in vornehmen Restaurants zu bewegen wissen und seine Karriere unterstützen. Ich war sein Typ, aber ansonsten entsprach ich kaum diesen Vorstellungen. Das war mir aber noch nicht klar. Als ich mir die Haare kurz schneiden ließ, reichte das für ein kleines Machtspiel. Er ließ sich seine gelockten dunkelblonden Haare glätten. Für mich sah das affig aus. Er fand es einen gerechten Ausgleich dafür, dass ich mir die Haare hatte schneiden lassen.

So manches Machtspiel mehr hätte mich womöglich an der Seite dieses Mannes erwartet. Es kam nicht soweit. Kurz bevor ich 18 wurde (die Bedingung meiner Eltern für eine Heirat), heiratete er eine andere.

Es dauerte Jahrzehnte mit neuerlichen Treffen, neuen Liebesschwüren, neuer Trennung, bis mir klarer wurde, dass ich mir wünschte die Eigenschaften zu entwickeln, die ich per schwarzem Puma in ihn projiziert hatte.

Das Leben kreierte für mich eine um die andere schwierige Lebenssituation. Zurückweichen galt nicht. Hinfallen, okay. Aber wieder aufstehen, weiter machen. Im letzten Jahr war es dann soweit…

Ich wollte handfest werden, es mit ihm aufnehmen. Er wich zurück, wollte die Verbindungsleine aber beibehalten. Ich sagte Nein und wandte mich ab. Eine späte Genugtuung.

In meiner Wahrnehmung war der Lack ab. Er war zum unrasierten Helden geworden, der mir noch auf einem schwach gewordenen Gaul daher zu kommen schien, sein Schwert war inzwischen verbogen und hing schlaff herab.

So nahm ich wahr, dass ich zu meinem eigenen Helden geworden war. Ja, manchmal „unrasiert“. Manchmal verweint, entmutigt oder auch ängstlich. Und doch…

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2 Gedanken zu „Kreativer Freitag 17.04.2015: Unrasierte Helden

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