Angekommen

Mit der problemlosen Übergabe der alten Wohnung gestern in angenehmer Atmoshphäre sind sämtliche Termine in Verbindung mit meinem Umzug erst mal vom Tisch!

Heute hab ich noch die von der Gemeinde gewünschten Unterlagen vorbei gebracht, meine Geburtsurkunde und die Heiratsurkunde, weil keine gerichtliche Trennung vorliegt. Damit hat es sich jetzt aber auch.

Tatsächlich haben sich diverse Ängste, die ich in Verbindung mit dem Umzug hatte, in Wohlgefallen aufgelöst. Du hast Recht behalten, Uta 🙂

Dass ich das Geschäftsauto nutzen konnte, hat sich als sehr wertvoll erwiesen. Ich brauchte drei Anläufe (Anfahrten, jedes Mal konnte ich schon Kleinzeug mitnehmen) von der alten zur neuen Wohnung, bis ich den direktesten besten Weg gefunden hatte und damit am Umzugstag den Helfern des Umzugsunternehmens vorausfahren konnte, die nicht direkt hier von der Gegend waren.

Es handelte sich um zwei Kurden, die mit Familien seit 10 Jahren in der Schweiz leben. Es war eine interessante Begegnung, die mir den Begriff „Kurden“ zum ersten Mal positiv näher brachte. Ich wusste nichts von ihnen und ihrer Heimat Kurdistan und hatte bisher vor allem negative Dinge darüber gehört.

Meine Kollegin hat in dieser Zeit einmal spontan zum Znüni ein Bilchen gemalt:

3016 Marion beim Zügeln_vom Smartphone

Süß, oder?

Für alle Nichtschweizer: „Zügeln“ ist das Umziehen in Schweizerdeutsch. Entsprechend heißt der Umzug dann „Züglete“.

Meine neue Wohnung erwies sich als weniger sorgfältig geputzt, als es Schweizer Standard ist (wenn es den überhaupt gibt, vor allem spricht man davon); auf jeden Fall war sie weniger sorgfältig gepflegt als ich Sauberkeit verstehe. So kam es, dass ich am Samstag vor dem Umzug (30. Jan.) zuerst den Kühlschrank so putzte, dass ich Getränke für die Umzugshelfer lagern konnte und noch alle Böden nass wischte, bevor ich am Montag mit Sack und Pack einziehen würde.

Das war das mindeste, was ich an Sauberkeitsgefühl brauchte, auch wenn die Farbe des Wassers nachher eher empfohlen hätte, dies mehrmals zu tun. Das war aber kräftemäßig nicht drin.

Die noch leeren Räume…

3012 WoZi leer_30.01.2016, 14.33 Uhr_vom Smartphone

3013 SChlafzi leer_30.01.2016, 14.34 Uhr_vom Smartphone

3014 Küche leer_30.01.2016, 14.36 Uhr_vom Smartphone

Die größte Überrschung bei der Übernahme der neuen Wohnung war übrigens die Ankündigung gewesen, dass die Häuser „sanft saniert“ werden. Was das genau bedeutet und welcher Terminrahmen dafür vorgesehen ist, wollte mir der Herr noch nicht verraten und sagte, am 1. März könne ich anrufen, bis dahin wisse er genaueres.

Fest steht, dass die Küchen und die Elektrik neu gemacht werden. Und dass bei der Prüfung, welcher Sanierungsumfang möglich und sinnvoll ist, über die Möglichkeit gesprochen wurde, die Balkone zu vergrößern (tiefer).

Das Thema ist für mich zweischneidig. Einerseits freue ich mich natürlich darüber, wenn etwas verschönert werden wird, z.B. auch der Fußbodenbelag des Flurs (wie ich hoffe):

3015 Flur leer_30.01.2016, 14.35 Uhr_vom Smartphone

Andererseits hat es für mich jetzt bedeutet, in eine neue Wohnung einzuziehen und dort die Aussicht auf längeres Provisorium zu haben, also endgültige Einrichtung noch dauern wird.

Trotzdem fühle mich hier bereits gut daheim und wohl am Ort, auch wenn ich noch zwischen Kisten lebe und Zeit brauchen werde… Denn neben dem bewältigen Umzug an sich gibt es die Kontaktunterbrechung zu der mir am nähesten stehenden Bezugsperson zu verdauen. Jetzt, wo der Termindruck wegfällt, merke ich, dass die Gefühle Raum brauchen. Gott sei Dank hab ich meinen MP3-Player nach einiger Suche wieder gefunden und kann jetzt wieder Musik hören, die mich ein Stück weit trägt und die Gefühle fließen lässt.

Gott sei Dank kann ich hier sehr gut schlafen. Trotz des Rauschens des Baches, das sich bei geschlossenen Fenstern anhört, als würde entfernt im Haus irgend jemand Badewasser einlassen. Nach einer Woche hier beginne ich mich so daran zu gewöhnen, dass ich es nicht mehr bewusst höre.

Die Geräusche von den Nachbarn, die ich in der Art in einem hellhörigen alten Haus nicht mehr gewöhnt war, sind für mich bisher auch nicht so störend, dass ich darin längerfristig ein Problem sehe. Man hört halt relativ viel voneinander, von den direkten Nachbarn am meisten, aber ich wohne zum Glück zuoberst, also latscht mir wenigstens niemand auf dem Kopf herum 😉

Am Sonntag war hier am Ort großer Fasnachtsumzug mit gesperrter Hauptstraße und Unterbrechung des Busverkehrs auf dem Stück, wo ich normalerweise zusteige. Ich hatte kurzfristig beschlossen, dass ich raus muss. Das windige und regnerische Wetter machte mir keine Lust auf einen Spaziergang, aber auf eine Wellnesslandschaft etwas weiter entfernt, denn die näher erreichbaren Schwimmbäder schlossen um 17 Uhr. Als daher der Fasnachtszug am Nachmittag durch war und ich hoffte, dass der Bus wieder fährt, fand ich an der Haltestelle einen Anschlag vor, dass die Unterbrechung noch bis 17 Uhr dauert, der Bus aber von einer Haltestelle weiter erreichbar ist. Unterwegs dann in der Bahn stieg eine ganze Fasnachtsgesellschaft in Verkleidung und mit Musikinstrumenten zu. Ihre Gewänder fand ich schön anzuschauen.

Zum Schluss noch ein paar Fotos…

Die „Blaue Stunde“ zwei Tage nach meinem Einzug aus meinem WoZi-Fenster:

3017 Blaue Stunde_03.02.2016, 18.06 Uhr_vom Smartphone

Der Dorfplatz morgens bei meinem ersten Weg zur Arbeit vom neuen Ort aus. Um diese Zeit ist der Bus so kurz getaktet, dass ich das Verpassen des vorherigen Busses verkraftete und derweil zur nächsten Haltestelle ging – und trotzdem noch pünktlich zur Arbeit kam. Was für ein Luxus jetzt für mich.

3018 Dorfplatz Erlinsbach_05.02.2016, 7.45 Uhr_vom Smartphone

Die untergehende Sonne am Tag drauf von meinem Schlafzimmer aus, wo ich mich zu einer Siesta hingelegt hatte.

3019 Untergehende Sonne_06.02.2016, 16.54 Uhr_vom Smartphone

Ankommen… Das wird bestimmt noch in unterschiedlichen Phasen weiter stattfinden. Es fühlt sich so an, dass eine neue Lebensphase mit diesem Umzug beginnt. Eine, in der die wichtigste Beziehung eine liebevolle zu mir selbst sein wird.

Was ich in diesen Tagen des Umzugs bereits ungemein schätzte und nutzte ist die Möglichkeit, rasch irgendwo auswärts Essen gehen zu können, wenn nach getaner Arbeit Hunger spürbar wird und eine Belohnung dran ist :). Alleine essen zu gehen ist noch nicht selbstverständlich für mich, aber ich mag es trotzdem schon.

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19 Gedanken zu „Angekommen

  1. liebe Marion,
    fühl dich jetzt mal richtig gedrück von mir!
    Das hört sich soooo positiv und klasse an, die Fotos sprechen für sich und deine Wohnung ist richtig toll! Mir würde es dort auch sehr gefallen, glaube ich!
    Die Zeichnung deiner Freundin ist der Hammer, das ist superlieb von ihr. Ich glaube, ich würde mir das Bild einrahmen, lach 🙂

    Danke für die Übersetzung der schwyzer Worte Züglete und zügeln ins Hochdeutsche, aber was ist denn Znüni? (ich hab so gelacht eben!) 🙂

    Ich wünsche dir ganz viel Genuss in deiner neuen, richtig schönen Wohnung!

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    • Ach ist das jetzt lieb von dir, Suse, das freut mich so richtig vom Herzen heraus.

      Weißt, diese Wohnblöcke sehen von außen nicht gerade anheimelnd aus, so dass es mir zunächst fast ein bisschen peinlich war, da einzuziehen. Drinnen sind sie aber durchaus ganz gut in Schuss gehalten und ich mag es drinnen.
      Heute hab ich auf dem Weg zum Einkaufen einen Block gesehen, der von der Bauart her genau gleich zu sein scheint, meines Wissen nicht zu dieser Wohnbaugenossenschaft gehört, aber saniert aussieht. Das sieht auch von außen gleich viel besser aus. Mal sehen, was noch wird…

      Gute Idee, das Bild einzurahmen. Es lohnt auf jeden Fall aufzubewahren. Ich war erstaunt, weil sie es wirklich ganz spontan aus dem Stegreif gezeichnet hat und in einem ganz schönen Tempo. Sie malt aber auch schon lange.

      Das Schweizerdeutsch…, hihi. „Znüni“ ist die Vormittagsbrotzeit, die von 9 Uhr her wohl so heißt (neun ist hier nüni). Bei uns, wo ich arbeite, wird sie sorgfältig eingehalten. Also morgens um 9 sitzen wir alle beim Kaffee/Tee und manchmal frühstücke ich dann auch erst. Je nachdem wieviel Arbeit wir da haben, sitzen wir auch schon mal bis 10 da und ratschen. Eine schöne Angewohnheit – es braucht keine Meetings. Alles, was man auf dem Herzen hat, kann hier angesprochen werden, so ganz nebenbei. Oder jedenfalls nutze ich das Znüni dafür, weil eben alle beinander sind.

      Also ganz lieben Dank für deine warmen anteilnehmen so positiven Worte, dass sie grad wie ein warmer Regenschauer für mich sind ❤ 🙂

      Ganz lieben Gruß
      Marion

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  2. Hallo Marion: gratuliere! Freut mich riesig, dass es mit Deinem Umzug gut geklappt hat und dass Du schon beginnst, Dich in Deiner neuen Umgebung wohlzufühlen. Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück und alles Liebe und Gute in Deiner neuen Umgebung: toi, toi, toi. Hoffentlich musst Du nicht zu lange auf Kisten leben. Ich weiß ja, was ein Umzug bedeutet.
    Also dann, mach’s gut, und liebe Gruesze,
    Pit
    P.S.: Ich finde die Skizze Deiner Kollegin prima. Jetzt weiß ich endlich, wie es aussieht, wenn man in der Schweiz umzieht! 😉

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    • Hallo Pit,

      danke dir für die Anteilnahme. Ich bin wirklich froh, dass alles so gut geklappt hat.
      Ihr seid mit einem Haus umgezogen, das ist nochmal ein ganz anderer Aufwand, denke ich. Aber für mich alleine hat das schon gereicht.

      Das mit den Kisten wird so nach und nach… Ich kann mich gar nicht antreiben es schneller zu machen. Ich brauche die Zeit, die ich brauche. Das was gemacht ist, ist dann aber gründlich gemacht. So lerne ich mich jetzt gerade kennen.

      Ja gell, so sieht Umziehen in der Schweiz aus 😆

      Liebe Grüße
      Marion

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  3. Hallo Marion,
    das klingt doch vielversprechend. Der Einstieg zusammen mit einer ausgelassenen Gesellschaft, eine Kollegin, die es gut zu Papier bringt, die Aussicht auf zusätzliche Verschönerungen. Es braucht die Zeit, die es braucht und ist dann auch passend.
    Du bist auf gutem Weg!
    Liebe Grüsse – Uta
    Die Zeichnung würde ich mir an die Wand hängen.

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  4. Hallo Marion,
    es freut mich sehr das du nun „angekommen“ bist und das die Gefühle schon zu Beginn so positiv gegenüber deiner Wohnung sind. Hatte ich das mit der Kontaktunterbrechung irgendwo überlesen oder hattest du nicht darüber geschrieben?
    Lieben Gruß Julusch

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      • Hallo Marion, dann habe ich verstanden. Ist das komisch das es mich traurig macht? Und warum der Tee da stand ist auch eine gute Frage. Der erste Tee seit … Monaten? Jahren? Ich habe derzeit wenig Lust zu hinterfragen. Es kostet mich zu viel Energie. Ich bin in einer „ich drifte dann mal vor mich hin Phase“. Lieben Gruß Julusch

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        • Hallo Julusch,
          ich weiß nicht ob das komisch ist, kann ich nicht beurteilen. Ich bin auch traurig, aber das ist normal.
          Na dann wünsche ich entspanntes vor dich hin driften. Manchmal hilft es vielleicht.
          Lieben Gruß
          Marion

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