Zweifel

Kennt Ihr das? Es gibt Zeiten, da glaubt man zu wissen was man für richtig hält, was man unterstützen möchte und was nicht. Und dann geschieht etwas, das einen inne halten und einen größeren (Über-) Blick nehmen lässt.

Ich unterstütze – wie viele andere – immer wieder Online-Petitionen und es ist schon sehr bequem vom heimischen Stuhl aus mit einem Klick oder so „die Welt zu verbessern“. Oder es zumindest zu glauben.

Heute bekam ich eine Mail von „Rettet den Regenwald e.V.“. Darin wird von der Bedrohung der Sundarbans durch den Bau eines Kraftwerks gesprochen. Worum handelt es sich bei den Sundarbans überhaupt? Ich las da, es sind die ausladensten Mangrovenwälder der Erde, aber ich musste googeln, um eine Vorstellung zu bekommen, um welches Land es sich handelt.

Wikipedia sagt: Die Sundarbans … umfassen ein Gebiet von etwa 10.000 km². Davon liegen etwa 6.000 km² in Bangladesch und 4.000 km² im indischen Bundesstaat Westbengalen.

Hm, die wollen dort ein Kohlekraftwerk bauen. Gleich darauf fiel mir ein, es ist noch nicht so lange her, dass ich auf einem neu gekauften Kleidungsstück das Etikett „Made in Bangladesh“ gesehen hatte. So wird unser Wunsch nach günstiger Kleidung befriedigt, die Leute dort haben im Idealfall einen Arbeitsplatz, von dem sie ihre Familie ernähren können. Im Idealfall. Aber… Es wird zur Herstellung auch Energie gebraucht und wo nimmt man die her?

Ist es nicht eine komische Doppelmoral, wenn wir hier im Wohlstand aufschreien, man möge die Mangrovenwälder mit ihren vielfältigen und wertvollen Tier- und Pflanzenarten nicht antasten, gleichzeitig aber gerne günstige Kleidung kaufen, Made in … wo auch immer?

Hängt nicht alles mit allem letztlich zusammen?

Und wird es nicht eine umfassendere Lösung brauchen, als mal online dafür zu stimmen, dass die kreditgebende Bank für dieses Kohlekraftwerk keine Mittel zur Verfügung stellen soll und sich dann in der Illusion zu sonnen, etwas zur Verbesserung der Welt beigetragen zu haben?

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14 Gedanken zu „Zweifel

    • Lieber M., geht mir ähnlich.
      Was immer wir aus dem Bewusstsein um die Hintergründe tun oder lassen, es löst die Sache im Ganzen nicht.
      Ich denke immer öfter, es wird einen globalen Schwenk geben müssen. Und man könnte das, was weltweit passiert, auch so sehen, dass immer weniger regionale Lösungen funktionieren, weil wir alle auf eine Weise verbunden sind. Man kann nicht ein Ungleichgewicht an einer Landesgrenze enden lassen. Und im Nachbarland gibt es vielleicht nicht dieses, dafür ein anderes Ungleichgewicht.
      Ich hab keine Ahnung wie ein größerer Schwenk geschehen könnte und ob es geschehen wird. Aber ich möchte es hoffen, auch im Hinblick auf meine Kinder, die noch eine Weile hier leben, wenn ich abtrete. Und im Hinblick auf die dann folgende Generation und alle weiteren.
      Vielleicht geht es drum, dass ich zur Zeit zum ersten Mal für mich auch den Gedanken zulasse, wir könnten es nicht schaffen, wir könnten – mit dem was wir jetzt leben auf dieser Erde – in dieser oder einer der nächsten Generationen auf Grund laufen.
      Lieben Gruß
      Marion

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        • Ja. Vielleicht kommt sie zu spät für diesen Planeten. Aber vielleicht ist ein Akzeptieren dieser Möglichkeit auch ein Schritt, um das Leben hier und jetzt so zu leben, wie es möglich ist. Einerseits nicht in ständiger Angst, andererseits auch nicht in unrealistischen Erwartungen auf schnelle Heilsbringer.

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    • Liebe Uta,
      jetzt erinnere ich mich, dass du dich schon einmal ähnlich geäußert hattest.
      Vom rein menschlichem Standpunkt her scheint es eher unwahrscheinlich, dass etwas anderes passiert, als dass die Menschheit im Ganzen nichts anderes tut und fortfahren wird, unsere Grundlagen zu zerstören, bis es zu spät ist.
      Liebe Grüße
      Marion

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